Was bedeutet COVID 19 für Familienunternehmen?

13 März, 2020

Ein Interview mit Uwe Rittmann. Noch lassen sich die wirtschaftlichen Auswirkungen von Covid-19 – besser bekannt als Corona-Virus – nicht wirklich einschätzen. Fest steht nur: Sie werden substanziell sein. 

Von Uwe Rittmann, Leiter Familienunternehmen und Mittelstand, wollten wir wissen, was Corona für seine Kundengruppe bedeutet.

Wie erleben Sie die Stimmung in Ihrer Kundengruppe?

Uwe Rittmann: Mittlerweile sehr besorgt um ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, aber auch um deren Angehörige, die zur Risikogruppe gehören. Viele Familienunternehmen haben ihren Standort in ländlichen Regionen und sind der wichtigste Arbeitgeber am Ort oder sogar der Region. Da kennt man sich oft über viele Generationen hinweg. Daher steht die Sorge um die Menschen ganz klar im Vordergrund. Hinzu kommt natürlich auch bei den Familienunternehmern Verunsicherung wegen der wirtschaftlichen Situation dazu, auch wenn ich bisher keine Panik erlebe. Dank ihrer langfristigen Sicht und ihrer soliden Kapitalausstattung können Familienunternehmen auch eine Durststrecke wie diese eine ganze Zeit durchhalten.

Woran liegt es, dass Familienunternehmen – zumindest im Moment – der Krise noch etwas besser standhalten können?

Erstens: Die Eigenkapitalquote der Familienunternehmen liegt inzwischen – nach der Finanzkrise 2008 – oft bei über 40 Prozent, finanziell schafft das Spielraum. Zweitens: Die Unabhängigkeit vom Kapitalmarkt - und damit auch nervösen Anlegern – ermöglicht es den Unternehmern, langfristiger zu planen und mit viel mehr Ruhe vorausschauend zu handeln. Drittens: Kleinere und mittelgroße Familienunternehmen sind zwar international tätig, aber nicht immer so komplett globalisiert, dass sie von Liefer- und Wertschöpfungsketten auf weit entfernten Kontinenten abhängig sind. Das ist derzeit noch von Vorteil. Aber natürlich kann niemand voraussagen, wie dramatisch sich die Situation in Europa noch entwickelt.

Gibt es auch spezifische Risiken für Familienunternehmen?

Ja, die gibt es und die sehe ich vor allem im technologischen Bereich und bei der IT-Ausstattung. Beispielsweise sind FlexWork- und Home-Office-Lösungen für Mitarbeiter noch nicht so verbreitet wie das in einigen Großkonzernen der Fall ist. Statt auf Cloud-Lösungen zu vertrauen, setzen viele Familienunternehmen noch auf „on premise-Lösungen“, also serverbasierte lokale IT-Lösungen, die oft nur von einem oder einigen wenigen Kollegen und nur am Standort betrieben werden können. Wenn diese Menschen ausfallen, dann steht erstmal alles still, weil von außen nichts gesteuert werden kann.

Gibt es innerhalb der Familienunternehmen Branchen, die womöglich besonders gefährdet sind?

Man kann sagen, dass Unternehmen mit hoher Wertschöpfungstiefe etwas resistenter sind als die Unternehmen, die eine starke Abhängigkeit von weltweiten Lieferketten haben und „nur“ noch die Entwicklung und den Zusammenbau von Produkten betreiben. Aber lassen Sie uns nicht nur auf die Gefahr schauen, es gibt auch viele Familienunternehmen, die gerade jetzt große Chancen aufgrund ihres Geschäftsmodells haben.

Wie kann PwC den Mandanten und Kunden konkret helfen?

Ich bin überzeugt, dass die größte Hilfe schon darin besteht, dass unsere Kunden wissen, dass PwC mit seinen Menschen und seiner Expertise verlässlich hilft, wenn immer es möglich ist. Und dies nicht nur lokal, sondern bei dieser Pandemie auch weltweit.

„Konkret helfen wir unseren Kunden bei der Entwicklung und Bewertung von Krisen- und Reaktionsplänen, beim Business-Continuity-Management, bei Tests, ob die Produktion auch vom Home-Office steuerbar ist, bei Liquiditätsplänen.“

Aber wir arbeiten auch bei allem mit, was die schnelle Umsetzung dessen betrifft, was die öffentliche Hand an Hilfen in Aussicht gestellt hat. Dazu gehört zum Beispiel die Bearbeitung von Anträgen für Kurzarbeitergeld oder der Abruf von Finanzhilfen. Wir sind da sowohl auf Unternehmensseite, als auch für die öffentliche Hand aktiv. Denn staatliche Hilfen sind nur dann gut, wenn sie schnell beim Empfänger landen.

Welche drei Handlungsempfehlungen haben Sie für Familienunternehmen?

  • Halten Sie sich an die Handlungsempfehlungen des Robert-Koch-Instituts und der Bundesregierung.
  • Fokussieren Sie sich auf die drei für Ihren Geschäftsbetrieb neuralgischen Stellen.  
  • Bleiben Sie so, wie ich die meisten Familienunternehmen erlebe: ruhig, pragmatisch und vorausschauend.

Uwe Rittmann

Uwe Rittmann ist Mitglied der Geschäftsführung bei PwC Deutschland und leitet den Geschäftsbereich Familienunternehmen und Mittelstand, eine Kundengruppe, für die er sein ganzes Berufsleben tätig ist und die ihm besonders am Herzen liegt.

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Uwe Rittmann

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Leiter Familienunternehmen und Mittelstand, PwC Germany

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