Acht von neun abgefragten Digitaltechnologien werden von der Mehrheit der Finanzfunktionen derzeit nicht genutzt – für die kommenden drei Jahre erwarten CFOs jedoch deutliche Anstiege / LLM-Nutzung in Finanzfunktionen liegt im Schnitt nur bei 3,8 von 7 Punkten / Nur 6,9 % der Mitarbeitenden in den Finanzabteilungen verfügen über spezialisierte Digital- oder IT-Skills
Düsseldorf, 26. Mai 2026
Die WHU – Otto Beisheim School of Management hat in Kooperation mit der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC Deutschland (PwC) den Digitalisierungsgrad der Finanzfunktionen in Unternehmen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz untersucht. Die Studie „Digital CFO 2026“ basiert auf der Befragung von 207 CFOs, davon 157 aus Deutschland, und einer siebenstufigen Likert-Skala (1 = stimme überhaupt nicht zu / sehr niedrig; 7 = stimme voll zu / sehr hoch). Die Ergebnisse zeigen ein klares Spannungsfeld: Während die Digitalisierung mit einem Durchschnittswert von 5,9 auf einer siebenstufigen Skala zu den absoluten Top-Prioritäten der Finanzchefinnen und Finanzchefs gehört, bezeichnen nur gut 20 % der Befragten ihre Finanzfunktionen als stark oder sehr stark digitalisiert. Am anderen Ende des Spektrums stuft rund ein Fünftel den eigenen Digitalisierungsgrad als gering ein.
Diese Lücke zwischen Anspruch und Umsetzung zeigt sich auch bei der strategischen Planung. Zwar investieren CFOs in großem Umfang in Digitalisierungsprojekte, doch die durchschnittlichen Zustimmungswerte für klar definierte Digitalisierungsstrategien und Roadmaps liegen mit 4,6 (Unternehmen insgesamt) und 4,8 (Finanzfunktion) deutlich hinter der ausgewiesenen Priorität zurück. Viele Finanzbereiche sind damit auf dem richtigen Weg, aber noch längst nicht am Ziel.
„In vielen Finanzfunktionen steht die Digitalisierung ganz oben auf der Agenda und sie stecken viel Engagement in Projekte. Gleichzeitig werden die vorhandenen Technologien noch nicht konsequent genug in die Umsetzung gebracht – beispielsweise bei der Automatisierung von Standardprozessen oder beim Einsatz datengetriebener Analytik“
Es bleibe Luft nach oben – insbesondere, wenn es darum gehe, aus vielen Einzelinitiativen ein klares, skalierbares Zielbild für die Finanzfunktion zu machen, so der Experte.
Die Studie betrachtet konkret, wie CFOs und ihre Teams digitale Lösungen wie Predictive Analytics, Prozessautomatisierungen oder Process Mining einsetzen. In der Praxis liegt die durchschnittliche Nutzung dieser Technologien meist nur im Bereich von 2 bis 3,5 auf der 7-Punkte-Skala; bei acht von neun abgefragten Technologien ist die am häufigsten gewählte Antwort sogar „1“ – sie werden derzeit gar nicht genutzt. Für die nächsten drei Jahre erwarten die CFOs jedoch durchgängig eine intensivere Nutzung und teilweise deutliche Anstiege bei einzelnen Lösungen.
Besonders groß ist die Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit beim Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI) und Large Language Models (LLM). Die Studie zeigt, dass LLM-Anwendungen in den Unternehmen insgesamt bereits etwas stärker genutzt werden als in den Finanzbereichen. Über alle befragten Unternehmen hinweg liegt die durchschnittliche Nutzungsintensität bei 4,1 von 7 Punkten, in den Finanzfunktionen hingegen nur bei 3,8. In vielen Fällen werden LLM heute eher für punktuelle Aufgaben genutzt; eine systematische Einbettung in Kernprozesse der Steuerung und Berichterstattung ist bislang noch die Ausnahme.
„Es ist klar, dass der Einsatz von LLM und anderen KI-Anwendungen in den nächsten Jahren stark zunehmen wird. Entscheidend wird sein, die Technologien aus der Experimentierphase herauszuführen und sie systematisch in die operativen Prozesse der Finanzfunktion zu integrieren – etwa in Forecasting, Reporting oder das Working Capital Management. Erst dann wird KI ihren vollen Beitrag zur Qualität der finanziellen Steuerung leisten.“
Ein Engpassfaktor ist der Zugang zu spezialisiertem Personal. In den untersuchten Finanzbereichen arbeiten im Durchschnitt 413 Mitarbeitende. Dennoch verfügen im Schnitt nur 6,9 % dieser Mitarbeitenden über vertiefte Fähigkeiten in IT, Digitalisierung oder Data Science. Gleichzeitig berichten viele CFOs, dass die Rekrutierung von Mitarbeitenden für die Bereiche IT, Digitalisierung oder Data Science schwierig ist – trotz der hohen Erwartungen an den Nutzen digitaler Technologien für Effizienz, Transparenz und bessere Entscheidungen.
Mit Blick nach vorn planen viele Unternehmen, ihre Anstrengungen weiter zu intensivieren. Etwa 30 % der Befragten rechnen mit einem etwa gleichbleibenden Budget für die Digitalisierung ihrer Finanzfunktionen, während insgesamt knapp 70 % davon ausgehen, dass ihnen in den kommenden Jahren ein größeres Budget zur Verfügung stehen wird. Bei der Personalgröße rechnen die meisten CFOs eher mit stabilen oder leicht sinkenden Zahlen, nur ein kleinerer Teil erwartet, dass die Zahl der Mitarbeitenden in den Finanzbereichen zunimmt.
„Der Hebel für den nächsten Produktivitätssprung liegt damit weniger zusätzlichen Budget, sondern im gezielten Einsatz von Technologie – insbesondere von KI-basierten Lösungen – und dem damit verbundenen Kompetenzaufbau.“
In der Gesamtschau zeigt die Studie eine Finanzfunktion im Übergang: Die Priorität ist hoch, Budgets steigen und erste Use Cases – auch mit KI – sind etabliert. Gleichzeitig ist der Weg zu einer konsequent digital und datengetrieben arbeitenden Finanzfunktion noch lang. Unternehmen, die jetzt ihre Strategien schärfen, technologische Potenziale systematisch heben und die notwendigen Fähigkeiten im Team aufbauen, können die Lücke zwischen Anspruch und Realität schließen – und die Finanzfunktion zum echten Treiber der Unternehmenssteuerung entwickeln.
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