Europas Verteidigungsetats steigen auf 454 Milliarden Euro – doch nicht einmal jeder vierte Euro fließt in gemeinsame Beschaffung / Die Studie „Forging Ahead – Practical paths for European defence cooperation“ des Defense & Security Institute von PwC Deutschland liefert ein Entscheidungsmodell für verbindliche Rüstungskooperation / Zwei konkrete Pilotprojekte für die kommenden zwölf Monate
Berlin, 04. November 2026
Europas Verteidigungsausgaben steigen 2026 im Vergleich zum Vorjahr voraussichtlich von 418 Milliarden Euro auf 454 Milliarden Euro. Doch laut der Europäischen Verteidigungsagentur erfolgen nur 24 Prozent der Rüstungsbeschaffung kooperativ. Wie europäische Staaten diese Lücke schließen und aus wachsenden Etats gemeinsame militärische Fähigkeiten formen, zeigt die Studie „Forging Ahead – Practical paths for European defence cooperation“. Das Defense & Security Institute (DSI) der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC Deutschland veröffentlicht die Analyse gemeinsam mit Prof. Dr. Sönke Neitzel, Lehrstuhl für Kriegswissenschaft, Universität Potsdam, zur Berlin Security Conference. Für politische Entscheider:innen und Rüstungsplaner:innen liegt darin ein direkter Hebel: Wer Beschaffung strukturiert bündelt, kann Skaleneffekte nutzen, Lieferketten stärken und die Verfügbarkeit militärischer Fähigkeiten verbessern.
Seit 2007 verfehlt die EU ihr selbst gestecktes Ziel von 35 Prozent für gemeinsame Beschaffung deutlich. Dabei setzt die Defence Readiness Roadmap 2030 die Messlatte noch höher: Bis Ende 2027 sollen EU-Mitglieder mindestens 40 Prozent der Rüstungsgüter kooperativ beschaffen. Die Realität läuft in die Gegenrichtung. Volle nationale Kassen verleiten Regierungen dazu, Rüstungsgüter wieder im Alleingang zu kaufen und Gelder primär in die heimische Industrie zu lenken. Mehr Geld allein schafft keine gemeinsame Verteidigungsfähigkeit. Es droht die europäische Fragmentierung sogar zu vertiefen.
An Institutionen und Finanzierungsinstrumenten mangelt es nicht – von der EDA über die Rüstungsorganisation OCCAR und die NATO-Beschaffungsagentur NSPA bis hin zu neuen EU-Instrumenten wie SAFE und dem Europäischen Programm für die Verteidigungsindustrie (EDIP) samt SEAP-Rahmen sind zahlreiche Initiativen am Markt zu beobachten. Was fehlt, ist ein verlässlicher, wiederholbarer Mechanismus, der politische Absichten in unterschriftsreife Verträge übersetzt.
„Europa verfügt über das Geld, die Institutionen und die Einsicht. Offen bleibt, wie aus einer politischen Absichtserklärung ein Vertrag mit festen Lieferterminen wird. Genau diese Lücke schließt das European Capability Coalition Model.“
Wie kommen Staaten von der gemeinsamen Bedrohungswahrnehmung zur geteilten Beschaffung, ohne neue Bürokratie aufzubauen? Das in der Studie entwickelte European Capability Coalition Model (ECCM) nutzt bestehende Institutionen und strukturiert den Entscheidungsprozess von der gemeinsamen Bedrohungswahrnehmung bis zur Umsetzung und weist bestehenden Institutionen klar definierte Aufgaben zu. Der Prozess führt vom militärischen Bedarf und dem konkreten Kooperationsmehrwert über den Aufbau einer tragfähigen Koalition bis zu einer verbindlichen Programmverfassung – noch bevor große Summen fließen. Erst danach wählen die Partner den passenden Umsetzungspfad: gemeinsamen Einkauf am Markt, Neuentwicklung, geteilte Nutzung (Pooling & Sharing) oder einen beschleunigten Innovationswettbewerb. Regelmäßige Relevanzprüfungen sowie feste Liefer- und Skalierungszusagen sichern die Umsetzung ab.
Die Studie untersucht anhand eines qualitativen Vergleichs europäischer Rüstungsprogramme, welche Faktoren Kooperation fördern oder erschweren. Zu den betrachteten Programmen zählen unter anderem NH90, Eurofighter, Boxer, Eurodrone, CAVS und die multinationale MRTT-Flotte. Die zentrale Lehre: Politischer Wille ersetzt kein abgestimmtes Anforderungsprofil. Nationale Industrieinteressen sind legitim, brauchen aber vorab eine klare Arbeitsteilung. Streitpunkte wie militärische Anforderungen, industrielle Führung, Stimmrechte, geistiges Eigentum (IP), Exportregeln und Risikoteilung müssen geklärt sein, bevor das erste Budget gebunden wird.
Damit liefert das ECCM das operative Gegenstück zur Analyse SPARTA 2.0 des Kiel Instituts für Weltwirtschaft (IfW). Während SPARTA 2.0 aufzeigt, welche Fähigkeiten Europa prioritär benötigt, beantwortet die PwC-Studie das Wie: Sie gibt kooperationswilligen Staaten das Prozesswerkzeug an die Hand, um aus Prioritäten gemeinsame Beschaffungsportfolios und langfristig feste Fähigkeitskoalitionen zu schmieden.
Wie sich das Modell sofort anwenden lässt, konkretisieren die Autor:innen anhand zweier exemplarischer Pilotvorhaben (ohne Vorgriff auf bestehende Regierungszusagen):
„Forging Ahead – Practical paths for European defence cooperation“ wurde vom Defense & Security Institute (DSI) von PwC Deutschland in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Sönke Neitzel (Universität Potsdam) sowie Autor:innen der Uni Leipzig erstellt. Die Untersuchung stützt sich auf aktuelle Budget- und Beschaffungsdaten der Europäischen Verteidigungsagentur (EDA) für die Jahre 2025 und 2026 sowie auf einen qualitativen Vergleich öffentlich dokumentierter europäischer Rüstungsprogramme (darunter NH90, Eurofighter, Boxer, Eurodrone, CAVS und die multinationale MRTT-Flotte).
Bei PwC unterstützen wir unsere Kunden dabei, Vertrauen aufzubauen und sich immer wieder neu zu erfinden. So wird aus Komplexität ein Wettbewerbsvorteil. Wir sind ein technologieorientiertes Netzwerk, in dem der Mensch im Mittelpunkt steht – mit mehr als 360.000 Mitarbeiter:innen in über 130 Ländern. Mit unseren Leistungen in Wirtschaftsprüfung und prüfungsnaher Beratung, Steuer- und Rechtsberatung, Consulting und Deals helfen wir Kunden, Veränderungen anzustoßen, zu beschleunigen und in nachhaltigen Erfolg zu übersetzen. Erfahren Sie mehr unter www.pwc.com/de.
PwC Deutschland bezeichnet in diesem Dokument die PricewaterhouseCoopers GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, die eine Mitgliedsgesellschaft der PricewaterhouseCoopers International Limited (PwCIL) ist. Jede der Mitgliedsgesellschaften der PwCIL ist eine rechtlich selbstständige Gesellschaft.
Die Bezeichnung PwC bezieht sich auf das PwC-Netzwerk und/oder eine oder mehrere der rechtlich selbstständigen Netzwerkgesellschaften. Weitere Details unter www.pwc.com/structure.