Die hohen Mieten sorgen für schlechte Stimmung in Hamburg – und einen verschärften Fachkräftemangel

14 November, 2022

Neun von zehn Berufstätigen leben gerne im Großraum Hamburg / Aber mehr als jede:r zweite Berufstätige hat bereits einmal den Job wegen zu hoher Mieten gekündigt oder zumindest darüber nachgedacht / Von den Arbeitgebern wünschen sich die Befragten finanzielle Zuschüsse für Wohnen und Arbeitswege sowie flexiblere Homeoffice-Angebote

Hamburg, 14. November 2022

Die angespannte Lage auf dem Wohnungsmarkt sorgt für schlechte Laune bei den Hamburger:innen und droht, den Fachkräftemangel an Elbe und Alster zu verschärfen. 16 Prozent der Berufstätigen im Großraum Hamburg bejahen die Frage, ob Sie den Job wegen hoher Mieten am Wohnort schon einmal gewechselt haben; und 36 Prozent geben an, zumindest schon einmal über einen Wechsel des Wohn- und Arbeitsorts nachgedacht zu haben. Für Unternehmen wird es dadurch noch schwieriger, Fachkräfte zu finden und zu halten. Zu diesen Ergebnissen kommt eine Befragung unter 400 Berufstätigen zwischen 18 und 65 Jahren im Großraum Hamburg im Auftrag der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC.

Die große Mehrheit fühlt sich in Hamburg wohl

Eigentlich leben die meisten Menschen gerne im Großraum Hamburg: So geben neun von zehn Berufstätigen (91 Prozent) an, dass sie sich in der Region wohlfühlen. 2020 waren es allerdings 96 Prozent. Neben guten Einkaufsmöglichkeiten (84 Prozent) schätzen sie besonders die Parkanlagen und Grünflächen (77 Prozent). Im Vergleich zur Befragung aus dem Jahr 2020 ist aber sowohl die allgemeine Zufriedenheit mit der Region als auch die Zufriedenheit mit den einzelnen Aspekten – von den Einkaufsmöglichkeiten und Parkanlagen über das Kultur- und Bildungsangebot bis hin zum Zugang zu schnellem Internet und der Verkehrsinfrastruktur – im Schnitt um rund fünf bis acht Prozentpunkte gefallen.

„Die hohe Inflation und die drohende Rezession belasten die Menschen ebenso wie der anhaltende russische Angriffskrieg auf die Ukraine. Vor diesem Hintergrund ist es nicht erstaunlich, dass die Berufstätigen viele Aspekte des täglichen Lebens aktuell etwas pessimistischer bewerten als noch vor zwei Jahren.“

Thorsten Dzulko, Leiter des PwC-Standorts in Hamburg

Die hohen Kosten für Mieten und Eigentum schlagen aufs Gemüt

Besonders groß ist der Unmut der Berufstätigen aus Hamburg und Umland über die Lage auf dem Wohnungs- und Immobilienmarkt: 62 Prozent sind mit den Mietpreisen unzufrieden. Über die Wohnungsknappheit und die hohen Kosten für Wohneigentum beklagen sich 59 bzw. 58 Prozent der Befragten. Mit Blick auf das künftige Wohnraumangebot sind die Berufstätigen immerhin vorsichtig optimistisch: 40 Prozent – und damit zehn Prozentpunkte mehr als 2020 – gehen von einem steigenden Angebot aus. Allerdings befürchten 88 Prozent steigende Mieten; fast ein Drittel rechnet sogar mit stark steigenden Mieten in den kommenden fünf Jahren.

Immer mehr Berufstätige denken über Jobwechsel nach

Die angespannte Lage auf dem Immobilienmarkt hat auch längst negative Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt in der Region: Ein größer werdender Anteil von Berufstätigen aus der Hansestadt geht davon aus, dass die aktuelle Wohnraum- und Mietsituation den Fachkräftemangel verschärft: 84 Prozent befürchten, dass es dadurch schwieriger wird, Fachkräfte zu rekrutieren und im Unternehmen zu halten. 2020 sahen dies erst 68 Prozent als Problem. Diese Befürchtung ist durchaus berechtigt, denn mehr als ein Drittel der Berufstätigen (36 Prozent) hat bereits darüber nachgedacht, den Job aufgrund zu hoher Mieten zu wechseln – und 16 Prozent haben diese Überlegung schon einmal in die Tat umgesetzt. Bei der Befragung vor zwei Jahren lag dieser Wert bei lediglich drei Prozent.

Ein weiterer Anstieg der Mietkosten könnte das Fass zum Überlaufen bringen. Das gilt besonders für die jüngeren Berufstätigen, die generell flexibler sind: So geben 56 Prozent der Befragten (2020: 47 Prozent) an, dass sie bei einer kräftigen Mieterhöhung über einen Arbeitsplatzwechsel nachdenken würden. Bei den 18- bis 34-Jährigen sind es sogar knapp zwei Drittel (65 Prozent).

„Diese Zahlen sollten die Unternehmen im Großraum Hamburg alarmieren. Der Fachkräftemangel ist bereits heute ein riesiges Problem und die Sorge wächst, dass die hohen Mieten und das knappe Angebot an Wohnungen es noch schwieriger machen, qualifizierte Arbeitskräfte zu finden und im Großraum Hamburg zu halten.“

Thorsten Dzulko, Leiter des PwC-Standorts in Hamburg

Unternehmen und die öffentliche Hand müssen aktiv(er) werden

Um die Lage zu entschärfen sehen die Berufstätigen sowohl die öffentliche Hand als auch die Arbeitgeber in der Pflicht: So könnte die Politik durch Wohnungsbauprogramme speziell für Haushalte mit geringeren Einkommen dazu beitragen, Fachkräfte in den Ballungsräumen zu halten, sagen 87 Prozent der Befragten. 84 Prozent sprechen sich für die Umwandlung von leeren Büros in Wohnraum aus. Fast jede:r Zweite (48 Prozent) befürwortet gar die Enteignung privater Wohnungsunternehmen. 2020 war nur ein Drittel für diese radikale Maßnahme – ein Beleg, dass der Leidensdruck der Bürger:innen wächst.

Die öffentliche Hand hat das Problem zumindest erkannt: So hat der Hamburger Senat ein langfristig angelegtes Wohnungsbauprogramm formuliert. Pro Jahr sollen die Voraussetzungen für 10.000 neue Wohnungen geschaffen werden, 3.000 davon als geförderte Mietwohnungen für Haushalte mit kleinen und mittleren Einkommen. Für diese Mengen verfolgt der Stadtstaat auch unkonventionelle Ideen: So sieht ein aktuelles Projekt vor, die Parkflächen vom Elbe Einkaufszentrum in Hamburg Altona umzunutzen und auf dem Areal rund 600 neue Wohnungen zu bauen.

Aber nicht nur die öffentliche Hand ist gefragt, auch die Arbeitgeber sind am Zug. Die Hamburger Berufstätigen sehen zahlreiche Möglichkeiten, wie Unternehmen dem wohnungsbedingten Fachkräftemangel entgegenwirken können: So spricht sich die große Mehrheit von 84 bzw. 83 Prozent für Mietzuschüsse und die Übernahme von Fahrtkosten aus.

Homeoffice-Anteil seit Corona kaum gestiegen

Ein wichtiger Hebel, um Fachkräfte zu finden und zu halten, sind Angebote für flexibles Arbeiten. Gut drei Viertel der Berufstätigen sind dafür, dass Arbeitgeber:innen ortsunabhängiges Arbeiten forcieren und die Homeoffice-Ausstattungen finanzieren.

Allerdings klafft aktuell eine große Lücke zwischen Wunsch und Wirklichkeit: Knapp zwei Drittel der Beschäftigten (62 Prozent), deren Arbeit grundsätzlich von zu Hause möglich ist, wünschen sich eine freie Homeoffice-Regelung ohne Abstimmung und Anwesenheitspflicht. Aber nur 45 Prozent haben diese Möglichkeit – unwesentlich mehr als vor der Corona-Pandemie: Damals konnten bereits 42 Prozent jederzeit von zu Hause arbeiten. „Einerseits ist es erstaunlich, dass der Homeoffice-Anteil seit 2020 nur leicht gestiegen ist. Für mich ist das ein Indiz, dass die Arbeitgeber in der Hansestadt bereits vor der Pandemie auf einem guten Weg waren, die Arbeitskultur zu modernisieren und flexibler zu gestalten“, resümiert Thorsten Dzulko. „Das gilt insbesondere für Unternehmen aus der Dienstleistungs- und Medienbranche, die bei uns in Hamburg traditionell stark vertreten sind. Auch bei PwC bieten wir bereits seit Jahren sogenannte FlexWork-Modelle an.“

Thorsten Dzulko ist sich aber bewusst, dass viele Menschen nur sehr eingeschränkte oder gar keine Möglichkeiten haben, von zu Hause zu arbeiten, weil ihre Tätigkeit dies nicht zulässt.

„Für Berufsgruppen wie Pfleger:innnen, Handwerker:innen oder Angestellte in Industrie, Einzelhandel und Gastronomie braucht es deshalb dringend Unterstützung seitens Politik und Privatwirtschaft, damit sie sich Wohnungen in den Ballungsgebieten leisten können.“

Thorsten Dzulko, Leiter des PwC-Standorts in Hamburg

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