Geldwäscheprävention fordert Deutschlands Finanzsektor

Anti Money Laundering: Geldwäsche-Studie 2026

Datenprüfung
  • Insight
  • 27 Mai 2026
Nur 34 %

der Institute glauben, die AMLA-Compliance-Frist am 10. Juli 2027 einhalten zu können.

61 %

erwarten einen starken bis signifikanten Anpassungsbedarf ihrer AML-Kapazitäten.

33 %

rechnen mit einem strukturellen Anstieg der AML-Compliance-Kosten um 10 bis 30 Prozent.

67 %

nennen mangelhafte Datenqualität als größtes Hindernis für den Einsatz von Technologien wie KI.

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Lars-Heiko Kruse ist Partner & Forensic FinCrime Leader bei PwC Deutschland

Lars-Heiko Kruse
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Neue Spielregeln für die Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung

Mit der Gründung der EU-Behörde zur Bekämpfung der Geldwäsche – der Anti-Money Laundering Authority (AMLA) – und dem Inkrafttreten des EU-AML-Pakets im Jahr 2024 hat Europa die wohl tiefgreifendste Reform der Geldwäscheprävention seit Jahrzehnten eingeleitet. Die Anti-Geldwäschebehörde AMLA nahm im Jahr 2025 ihren Betrieb in Frankfurt am Main auf und wird ab 2028 die direkte Aufsicht über bestimmte Verpflichtete, wie etwa ausgewählte Kreditinstitute und Zahlungsdienstleister, übernehmen. Die zentrale Compliance-Frist für die Umsetzung der neuen AML-Richtlinie (AMLD6) ist der 10. Juli 2027.

Für deutsche Finanzinstitute stellt dieses neue Umfeld eine strategische Zäsur dar: Bewährte Prozesse müssen grundlegend überprüft, Technologie-Investitionen auf ein solides Datenfundament gestellt und Fachkräfte gezielt aufgebaut werden. Die deutschen Ergebnisse der EMEA AML Survey 2026 für die Regionen Europa, Naher Osten und Afrika zeigen, wie groß die Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit derzeit ist.

Die Studie im Überblick

Die Compliance-Lücke: hoher Anpassungsdruck, niedriges Vorbereitungsniveau

Das neue EU-AML-Paket – bestehend aus der direkt anwendbaren AML-Verordnung (AMLR), der sechsten Geldwäscherichtlinie (AMLD6) und der AMLA-Verordnung – schafft erstmals ein weitgehend einheitliches europäisches Regelwerk für die Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung. Für Deutschland bedeutet das: mehr Harmonisierung, aber auch weniger nationaler Spielraum. Die Auswirkungen werden von der Branche als erheblich eingeschätzt. 61 Prozent der befragten deutschen Finanzinstitute rechnen mit einem starken bis signifikanten Anpassungsbedarf ihrer AML-Kapazitäten. Doch der Vorbereitungsstand ist alarmierend heterogen: Lediglich 24 Prozent haben sowohl eine detaillierte Analyse als auch eine vollständige Folgenabschätzung (Impact Assessment) zum EU-AML-Paket abgeschlossen. Das Ergebnis: Nur rund ein Drittel (34 Prozent) ist zuversichtlich, die Compliance-Frist am 10. Juli 2027 einhalten zu können.

Haben Sie bereits eine detaillierte Analyse der praktischen Auswirkungen des neuen EU-AML-Pakets durchgeführt?

Diese Frage wurde Befragten aus der EU gestellt und unterliegt den EU-Richtlinien und -Verordnungen. Aufgrund von Rundungen ergibt die Summe der Prozentsätze möglicherweise nicht 100 %.

Kosten, Fachkräfte, Customer Due Diligence: dreifacher Druck auf die Institute

Die operativen Herausforderungen sind vielschichtig. Ein Drittel (33 Prozent) der deutschen Finanzinstitute erwartet einen strukturellen Anstieg der AML-Compliance-Kosten um zehn bis 30 Prozent. Gleichzeitig kämpfen 32 Prozent mit einem akuten Mangel an qualifizierten AML-Fachkräften – obwohl 30 Prozent planen, ihre Teams personell aufzustocken. Besonders kritisch: Der Arbeitsmarkt für spezialisierte AML-Fachleute ist in Deutschland wie in ganz Europa angespannt.

Als größte operative Hürde identifiziert die AML-Studie die Customer Due Diligence (CDD): 65 Prozent der Institute bewerten die Datenanforderungen der neuen Regulierung als exzessiv. Die Mehrheit (62 Prozent) plant dennoch, die notwendigen Anpassungsprozesse (Remediation) intern zu stemmen. Das birgt Risiken: Kapazitätsengpässe und fehlendes Spezialwissen können die fristgerechte Umsetzung zusätzlich gefährden.

Technologie als Lösung? Nur mit sauberem Datenfundament

60 Prozent der befragten deutschen Institute planen, neue Technologien im Transaction Monitoring einzuführen. Das Potenzial ist unbestritten: Moderne Systeme können Muster in Transaktionsdaten erkennen, die manuellen Prüfungen verborgen bleiben, und so die Effizienz der Geldwäscheprävention deutlich steigern. Doch die Realität bremst den Enthusiasmus: 67 Prozent nennen mangelhafte Datenqualität als zentrales Hindernis für einen erfolgreichen KI- und Technologieeinsatz. Und 41 Prozent der deutschen Unternehmen ziehen den Einsatz von KI im AML-Kontext derzeit überhaupt nicht in Betracht. Die Erkenntnis: Wer in Technologie investiert, ohne zunächst seine Datenarchitektur zu bereinigen, verschwendet Ressourcen. Eine saubere, konsistente und vollständige Datenbasis ist die Voraussetzung – nicht das Ergebnis – jeder erfolgreichen Digitalisierungsstrategie im AML-Bereich.

Genau hier setzt nach Einschätzung des PwC-Experten der entscheidende Hebel an:

„Ohne belastbare Daten bleiben weder Technologiestrategien, gerade im Bereich KI, noch Personalstrategien wirksam. Der Schlüssel zum Erfolg liegt in einer proaktiven Strategie, die auf einer sauberen Datenarchitektur und gezielten Investitionen in modernste Technologien und die Qualifizierung von AML-Expertinnen und -Experten aufbaut.“

Lars-Heiko Kruse,Partner im Bereich Forensic Services und Leiter der Gruppe Anti Financial Crime bei PwC Deutschland

Erwägen Sie den Einsatz von KI in Ihren AML-Prozessen/-Arbeitsabläufen?

Diese Frage wurde allen Befragten gestellt. Aufgrund von Rundungen ergibt die Summe der Prozentsätze möglicherweise nicht 100 %.

Quelle beider Infografiken: PwC Global AWM & ESG Research Centre

EMEA im Blick: Deutschland im europäischen Kontext

Die deutschen Ergebnisse spiegeln einen europaweiten Trend wider – und heben sich zugleich in einigen Punkten ab. Die EMEA AML Survey 2026 zeigt, dass die EMEA-Region insgesamt ähnliche Muster bei Compliance-Bereitschaft und technologischen Herausforderungen aufweist. Die Zuversicht, die AMLA-Frist 2027 einzuhalten, ist europaweit gering. Nur rund ein Drittel der Finanzinstitute in der EMEA-Region – so auch in Deutschland – erwartet eine fristgerechte Umsetzung. Der Handlungsdruck betrifft die gesamte europäische Finanzbranche gleichermaßen.

Die neue AMLA wird ab 2028 die direkte Aufsicht über die risikoreichsten Verpflichteten in der EU übernehmen – darunter bestimmte Kreditinstitute und Finanzdienstleister mit grenzüberschreitenden Tätigkeiten. Für alle anderen bleibt die indirekte Aufsicht über nationale Behörden wie die Bafin maßgeblich. Diese zweistufige Aufsichtsarchitektur stellt Institute vor die Frage, welche Anforderungen für sie unmittelbar gelten – und erfordert frühzeitige Klarheit über den eigenen Scope.

Gleichzeitig bringt die europäische Harmonisierung auch Chancen: Einheitliche Standards erleichtern grenzüberschreitende Compliance-Strukturen, schaffen Planungssicherheit und ermöglichen eine europaweit abgestimmte Risikoeinschätzung. Finanzinstitute, die das EU-AML-Paket als strategische Chance begreifen – und nicht nur als regulatorische Last –, können ihre Prozesse zukunftssicher aufstellen und sich als verlässliche Partner in der Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung positionieren.

EMEA AML Survey 2026 zum Download

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Die zentralen Erkenntnisse der AML-Studie 2026

Regulatorischer Druck

Das EU-AML-Paket verpflichtet deutsche Finanzinstitute zur umfassenden Anpassung bis zum 10. Juli 2027. Mit der AMLA wird erstmals eine eigenständige EU-Behörde die direkte Aufsicht über ausgewählte Verpflichtete übernehmen. Das neue Regelwerk harmonisiert die europäischen Standards für die Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung – und lässt weniger nationalen Interpretationsspielraum als bisher. Nur 34 Prozent der deutschen Institute sind überzeugt, die Frist einhalten zu können.

Compliance-Bereitschaft

Trotz des erheblichen Reformdrucks ist der Vorbereitungsstand in Deutschland besorgniserregend niedrig: Nur 24 Prozent der Institute haben eine vollständige Analyse und Folgenabschätzung zum EU-AML-Paket abgeschlossen. 61 Prozent erwarten einen starken bis signifikanten Kapazitätsanpassungsbedarf. Die Schere zwischen wahrgenommenem Handlungsbedarf und tatsächlicher Vorbereitung ist groß. Institute, die jetzt mit einer strukturierten Gap-Analyse starten, verschaffen sich einen Vorsprung.

Operative Herausforderungen

Drei Faktoren belasten die operative Umsetzung besonders: steigende Kosten (33 Prozent erwarten eine Steigerung von zehn bis 30 Prozent der AML-Compliance-Kosten), Fachkräftemangel (32 Prozent berichten von Engpässen) und komplexe Datenanforderungen im Rahmen der Customer Due Diligence (65 Prozent betrachten diese als exzessiv). Dabei plant die Mehrheit der Institute (62 Prozent), die notwendige Remediation intern zu bewältigen.

KI und andere Technologien

Technologie bietet erhebliches Potenzial für die Geldwäscheprävention – vorausgesetzt, die Datenbasis stimmt. 60 Prozent der deutschen Institute planen neue Technologien im Transaction Monitoring. Gleichzeitig nennen 67 Prozent schlechte Datenqualität als primäres Hindernis. 41 Prozent schließen etwa den KI-Einsatz im AML-Kontext aktuell ganz aus.

Strategische Empfehlungen

Die Ergebnisse der AML-Studie zeigen: Rein reaktive Anpassungen reichen nicht mehr aus. Institute sollten jetzt drei strategische Schwerpunkte setzen:

  1. Eine strukturierte Gap-Analyse zur Identifikation des konkreten Handlungsbedarfs im Lichte des EU-AML-Pakets.
  2. Eine Datenarchitektur-Initiative, die Datenqualität und -konsistenz als Voraussetzung für Technologieinvestitionen adressiert.
  3. Ein gezieltes Talent-Programm zur Qualifizierung und Bindung von AML-Fachkräften.

Die Ergebnisse der EMEA AML Survey 2026 im Überblick

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Die Methodik

Die EMEA AML Survey 2026 ist eine umfassende Studie von PwC zum Vorbereitungsstand von Finanzinstituten auf das neue EU-AML-Regelwerk. Zudem beleuchtet sie die größten Herausforderungen in den Bereichen Kosten, Technologie und Personal. Dafür wurden zwischen Ende Oktober 2025 und Ende Januar 2026 über 500 Entscheidungsträger:innen aus 40 Ländern der EMEA-Region (Europa, Naher Osten und Afrika) befragt. Für die deutsche Auswertung wurden die Antworten der teilnehmenden Institute aus Deutschland gesondert analysiert und mit dem EMEA-Gesamtergebnis verglichen. Die Studie erfasst Unternehmen unterschiedlicher Größe und Geschäftsmodelle aus dem Banken-, Versicherungs- und Finanzdienstleistungssektor. Alle in diesem Dokument genannten Prozentzahlen beziehen sich auf die deutschen Teilnehmenden. Die vollständigen EMEA-Ergebnisse sowie die globale Executive Summary stehen separat zur Verfügung.

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