Wolken am Himmel

Boom bei Krediten für die Baufinanzierung

PwC-Analyse der Kredite zur Baufinanzierung im ersten Quartal 2022

1,5

Billionen Euro beträgt das Volumen der Kredite zur Baufinanzierung im 1. Quartal 2022.

Um 15

Prozentpunkte wächst das Neugeschäft bei Baukrediten gegenüber dem Vorjahresquartal.

Um 50 %

fallen die von den Banken mit Krediten erzielten Margen.

10,6 %

Wachsstumsteigerung verzeichnen die Hypothekenbanken.

Ihr Experte für Fragen

Tomas Rederer, Partner Financial Services Digital Operations bei PwC Deutschland

Tomas Rederer
Partner Financial Services Digital Operations bei PwC Deutschland
Tel.: +49 69 9585-5166
E-Mail

Verbraucher:innen sichern sich Konditionen für Kredite, bevor die Zinsen weiter deutlich steigen

Im Frühjahr 2022 kündigte die Europäische Zentralbank (EZB) an, im Juli die Zinsen zu erhöhen. Damit folgte sie der US-Notenbank Federal Reserve. Auf die bevorstehende Anhebung des Leitzinses reagieren Kreditnehmer und sichern sich die aktuellen, im historischen Vergleich immer noch günstigen Baukredite für die Finanzierung von Immobilien.

Das hat im ersten Quartal 2022 für einen regelrechten Boom bei den Darlehen für die Baufinanzierung in Deutschland gesorgt. Das Volumen der Baukredite stieg auf 1,5 Billionen Euro – ein neues Allzeithoch. Dieser Anstieg bei den Krediten entspricht einem Wachstum von sieben Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahresquartal.

Das sind einige der Kernergebnisse einer Analyse des Markts für Baufinanzierung  im ersten Quartal 2022, die die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC Deutschland durchgeführt hat.

Infografik: Baufi-Volumen steigt im ersten Quartal 2022 weiter auf neuen Rekordwert von über €1,5 Bio. – Wachstum um 7% gegenüber Q4 2021.

„Hauptgrund für das Rekordwachstum bei Baukrediten sind Vorzieheffekte angesichts deutlich höherer Zinsen. Der Trend wird im Laufe des Jahres abflachen.“

Tomas Rederer,Partner Financial Services Digital Operations bei PwC Deutschland

Die Studie im Überblick

Neugeschäft bei Krediten übersteigt Erwartungen der Banken

Das Geschäft mit neuen Baudarlehen stieg im ersten Quartal 2022 gegenüber dem Vorjahresquartal um 15 Prozent, von 72 auf 84 Milliarden Euro. Das Wachstum bei diesen Baukrediten war deutlich größer als von den Banken prognostiziert. Gründe für den Anstieg sind der nach wie vor angespannte Markt für Immobilien und die absehbar (weiter) steigenden Zinsen. Dies setzt gerade Kreditnehmer, die zum Kauf von Immobilien nicht über viel Eigenkapital verfügen, stärker unter Druck. Nach wie vor betrachten viele Verbraucher:innen Immobilien als sichere Anlage für ihr Geld und als Schutz vor Inflation.

Infografik: Rekordquartal – Bereits in den ersten 3 Monaten steigt das Volumen im Neugeschäft um über 15% gegenüber dem Vorjahresquartal.

Volumen bei bestehenden Krediten wächst schwach, aber auf weiter sehr hohem Niveau

Auch bei den bestehenden Krediten ist das Volumen weiter gewachsen, wenngleich mit 19,3 Milliarden Euro nur leicht stärker als im Vorjahresquartal (19 Milliarden Euro). Das Wachstum dieser Kredite war damit längst nicht so dynamisch wie in den vergangenen Jahren. Es bleibt jedoch auf insgesamt hohem Niveau und deutlich über dem Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre.

Ein weiteres Analyseergebnis lautet: Etwa doppelt so viele Banken wie erwartet haben im ersten Quartal 2022 ihre Bedingungen für die Vergabe von Baukrediten verschärft, 7 statt 3,5 Prozent wie prognostiziert. Sie schätzen die Risiken bei Krediten – also die Gefahr, dass Kreditnehmer ihre Darlehen nicht zurückzahlen können – inzwischen oftmals höher ein, während die Risikotoleranz der Banken bei Finanzierungen gesunken ist.

Infografik: Wachstum des Kreditbestands auf hohem Vorjahresniveau – Dynamischer Wachstumstrend der vergangenen Jahre konnte im ersten Quartal nicht gehalten werden.

Jetzt herunterladen

Boom bei Krediten für die Baufinanzierung

(PDF of 2.17MB)

Kreditmargen um rund 50 Prozent gefallen

Die Margen, die Banken bei der Vergabe von Krediten erzielen, sind im ersten Quartal 2022 deutlich gefallen, um etwa die Hälfte auf 0,53 Prozent. Das ist der tiefste Stand in den vergangenen zehn Jahren. Im Vorjahresquartal hatten die Margen für Kredite noch bei 1,04 Prozent gelegen. Noch allerdings geben die Banken die Kosten nicht an ihre Endkunden, die Kreditnehmer, weiter, weil der Wettbewerbsdruck bei Baufinanzierungen weiterhin sehr hoch ist.

Sparkassen, Privat- und Genossenschaftsbanken mit jeweils mehr als 25 Prozent Marktanteil

Die Preise für Immobilien sind im ersten Quartal 2022 weiter gestiegen, während der Reallohnindex stagnierte. Die Geber von Krediten, die Banken, verzeichneten daher weiteres Wachstum. Am größten war es bei den Hypothekenbanken (+10,6 % ggü. 2021), gefolgt von den Genossenschaftsbanken (+7,9 %) und den Sparkassen (+7,3 %).

Weitgehend unverändert sind die Marktanteile der Banken geblieben. Die Sparkassen hatten im ersten Quartal 2022 nach wie vor den größten Anteil mit 30,9 Prozent. Den zweiten Rang teilen sich die Privat- und die Genossenschaftsbanken mit jeweils exakt 25,2 Prozent. Die Bausparkassen kamen auf 12,6 Prozent Marktanteil. Trotz des starken Wachstums büßten die Hypothekenbanken weiter an Marktanteilen ein – sie kamen nur noch auf 2,6 Prozent. 2012, also vor zehn Jahren, waren es noch 5,1 Prozent gewesen.

Ausblick auf die Entwicklung bei den Baukrediten im 2. Quartal 2022

Die PwC-Expert:innen rechnen damit, dass die Effektivverzinsung bei Baukrediten im zweiten Quartal 2022 auf bis zu 2,5 Prozent ansteigen wird. Hauptgründe dafür sind die große Unischerheit an den Kapitalmärkten, die steigende Inflation und die sich wandelnde Geldpolitik der Zentralbanken. Hinzu kommt die sinkende Risikobereitschaft bei den Banken, sie werden Baukredite voraussichtlich vorsichtiger vergeben als noch vor einigen Monaten. Das Gesamtvolumen an Krediten bleibt insgesamt aller Voraussicht nach stabil, eventuell geht es sogar leicht zurück. Die individuellen Volumina an Krediten – also wie hoch die Darlehen der einzelnen Kreditnehmer sind – werden allerdings sehr wahrscheinlich steigen.

„Das Rekordwachstum ist ganz klar auf Vorzieheffekte zurückzuführen. Viele Kunden verlängern ihre bestehenden Kredite oder sichern diese ab. Dieser Trend wird im Laufe des Jahres jedoch abflachen.“

Tomas Rederer,Partner Financial Services Digital Operations bei PwC Deutschland

Jetzt herunterladen

Boom bei Krediten für die Baufinanzierung

(PDF of 2.17MB)

Sie haben Fragen?

Kontaktieren Sie unseren Experten

Follow us

Contact us

Tomas Rederer

Tomas Rederer

Partner, Head of Financial Services Management Consulting, PwC Germany

Tel.: +49 151 65071547

Hide