Industrialisierung des Kreditgeschäfts 2019

Wer mit Krediten weiterhin Geld verdienen will, muss seine Prozesse industrialisieren

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Tomas Rederer ist Partner und Head of Financial Services Operations Consulting bei PwC

Tomas Rederer
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Viele deutsche Banken stehen davor, den Anschluss im Kreditgeschäft zu verlieren

Viele deutsche Banken agieren in ihrem wichtigsten Geschäftsfeld nicht mehr auf der Höhe der Zeit. Das zeigt die PwC-Studie „Die Industrialisierung des Kreditgeschäfts 2019“. So liegt der durchschnittliche Grad der Industrialisierung lediglich bei 40 Prozent. Manche Institute kommen sogar nur auf Werte zwischen zehn und 30 Prozent. Das heißt: Selbst bekannte Tools wie die „digitale Antragsstrecke“ oder gängige Verfahren wie „Robotic Process Automation“ kommen vielerorts noch nicht zum Einsatz, obwohl das nachhaltig niedrige Zinsniveau die relative Bedeutung der Prozesskosten massiv verstärkt.

Besonders groß sind die Herausforderungen im Firmenkundengeschäft. Dort beträgt der Industrialisierungsgrad erst 31 Prozent – weit unterhalb des möglichen Zielkorridors von 60 bis 80 Prozent. Allerdings ist bis zum Jahr 2021 ein deutlicher Industrialisierungsschub zu erwarten: Laut Aussage der teilnehmenden Banken soll die Optimierung im Firmenkundengeschäft in den kommenden Jahren stärker vorangetrieben werden.

Die Studie im Überblick:

Industrialisierung im Firmenkundengeschäft

Infografik zur PwC-Studie: Industrialisierung des Kreditgeschäfts 2019

„Die Banken müssen ihr Prozess- und Geschäftsmodell fit für die industrialisierte Zukunft machen. In Zeiten sinkender Margen lässt sich im Kreditwesen dauerhaft nur dann Geld verdienen, wenn die Banken ihre Prozesse digitalisieren und standardisieren.“ Umso verwunderlicher sei, „dass die Digitalisierung manche hiesige Bank noch gar nicht erreicht zu haben scheint.“

Tomas Rederer, Partner, Head of Financial Services Operations Consulting bei PwC

So kam eines der befragten Kreditinstitute im Privatkundengeschäft lediglich auf einen Industrialisierungsgrad von elf Prozent. Allerdings gab es auch andere Beispiele. So erreichte eine Bank stolze 87 Prozent.

Künftig wird auch im Privatkundengeschäft eine stärkere Industrialisierung erwartet. Dabei müssen führende Institute zunehmend zu strukturellen Hebeln greifen, da klassische Optimierungen oftmals ausgereizt sind. Zudem gilt: Viele der Hebel wie Künstliche Intelligenz befinden sich aktuell im Experimentierstadium, weshalb in den kommenden Jahren hohe Investitionen zu erwarten sind.

Industrialisierung im Privatkundengeschäft

Infografik zur PwC-Studie: Industrialisierung des Kreditgeschäfts 2019

Der Fokus wechselt – von Standardisierung zu Automatisierung

Für die Studie wurden mehr als 40 der größten Banken in der DACH-Region befragt, um ein repräsentatives Bild aller Banksektoren und Größenklassen sicherzustellen. Dabei wurden etwa 80 konkrete Optimierungshebel untersucht, wobei manche nur im Privat- oder Firmenkundengeschäft anwendbar sind. Positiv ist, dass in immer schnellerer Folge neue Technologien und zunehmend auch ganze Lösungskomponenten verfügbar sind. Die Herausforderung heute ist die Auswahl und das Zusammenspiel der richtigen Hebel für das jeweilige Geschäftsmodell. Diese Hebel erstrecken sich von der „Elektronischen Kreditakte“ bis hin zur „XS2A-Schnittstelle“ für den digitalen Zugriff auf Kundenkonten bei anderen Banken. Darüber hinaus ordnete PwC den Stellschrauben vier Kategorien zu, nämlich

  1. Automatisierung,
  2. Standardisierung,
  3. Organisation sowie
  4. Steuerung und Controlling.

Dabei zeigte sich: In den beiden zurückliegenden Jahren fokussierten sich die meisten Banken auf die Standardisierung, und zwar im Firmen- wie im Privatkundengeschäft. Dabei rückt in Zukunft bei der Vergabe von Krediten zunehmend die Automatisierung in den Mittelpunkt. Im Retail-Bereich messen nahezu alle (96 Prozent) der befragten Kreditinstitute diesem Thema eine hohe Priorität bei. Im Geschäft mit Unternehmen sind es immerhin 89 Prozent.

Infografik zur PwC-Studie: Industrialisierung des Kreditgeschäfts 2019

„Eine zentrale Erkenntnis lautet, dass es im Kreditgeschäft zwar um Digitalisierung geht – aber eben nicht nur. Um sich fit für die Zukunft zu machen, müssen die Banken ihre Geschäfts- und Prozessmodelle noch viel mehr und grundsätzlicher hinterfragen.“

Tomas Rederer, Partner, Head of Financial Services Operations Consulting bei PwC

Die Banken müssen ihr Geschäftsmodell fit für die digitale Zukunft machen

PwC-Experte Rederer zieht eine Parallele zur traditionellen Industrie: „Viele Banken betreiben speziell das Firmenkundengeschäft noch immer wie eine Manufaktur. Dabei unterliegt ein Unternehmen, das Kredite vergibt, heutzutage der gleichen industriellen Logik wie ein Unternehmen, das zum Beispiel Autos oder Maschinen produziert.“

Das bedeute zwar nicht, dass jede Bank nach einem maximalen Industrialisierungsgrad streben muss. „Aber wenn wir die Vorreiter betrachten, dann sehen wir dort nicht mehr viel Handarbeit. Stattdessen werden veraltete IT-Strukturen durch neue ersetzt, werden voll-digitale Baufinanzierungen livegeschaltet und gewinnt Outsourcing wieder an Bedeutung. In diese Richtung bewegen sich aber leider noch zu wenige Kreditinstitute hierzulande. Fest steht: Industrialisierung ist im Kreditgeschäft zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor geworden. Alle Bereiche werden erfasst, und die Investitionen wachsen massiv.“

Die vier Eckpfeiler eines optimalen Kreditprozesses

1. Identifizierung der richtigen Hebel

  • Auswahl der Hebel mit einem positiven Business Case für die konkrete Organisation
  • Quantifizierte Bewertung mit Buy-in der operativ Verantwortlichen
  • Berücksichtigung der konkreten Erfahrungen anderer Häuser

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2. Entwicklung eines Zielbildes

  • Zusammenführen der Hebel in ein mittelfristiges Zielbild stellt Synchronisierung und Vision sicher
  • Abhängigkeiten erzwingen Sequenz
  • Stufenweise Umsetzung sinnvoll

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3. Moderne IT-Architektur

  • Legacy-IT ist wesentliche Barriere für konsequent industrialisierte Prozesse
  • Moderne Architekturen unter anderem auf API-Basis erlauben die nötige Flexibilität und Offenheit
  • Reduzierung der Kernbank-Systeme auf deren Stärken rund um Buchen und Reporting sinnvoll

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4. Festlegung der optimalen Wertschöpfungstiefe

  • Nutzung fertiger Lösungen am Markt (etwa Fintechs) erlaubt Geschwindigkeit und Flexibilität
  • Fokussierung auf eigene Stärken und Kundenzugang

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