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„Zeit wird zum Qualitätsfaktor in der Medizin“

12 März, 2018

Deutsche Patienten stellen ihrem Gesundheitswesen gute Noten aus: Die Mehrheit zählt es zu den drei besten Systemen der Welt. Blicken die Versicherten allerdings auf die einzelnen Sektoren, fällt ihr Urteil kritischer aus – unzufrieden sind zwei Drittel der Bürger mit der ärztlichen Versorgung. Das sind Ergebnisse des „Healthcare-Barometers 2018“, einer repräsentativen Umfrage von PwC unter 1.000 Bürgern. Michael Burkhart, Leiter des Bereichs Gesundheitswesen & Pharma bei PwC Deutschland, erklärt im Interview, wie er diese Ergebnisse bewertet.

Ihre Studie zeigt, dass zwei Drittel der Deutschen unzufrieden mit der ärztlichen Versorgung sind. Woran liegt das?

Michael Burkhart: Wir stellen fest, dass Patienten, insbesondere jüngere, kritischer geworden sind und hohe Erwartungen an ihren Arzt haben. Sie wollen gründlich informiert werden und wünschen sich eine Begegnung auf Augenhöhe. Diese Patienten treffen auf Ärzte, die in ihrem Alltag unter hohem Zeitdruck arbeiten. Die zentralen Kritikpunkte sind, dass Mediziner zu wenig Zeit haben und die Anliegen ihrer Patienten nicht ernst nehmen. Ebenso bemängeln die Befragten die Öffnungszeiten der Praxen. Die ärztliche Kompetenz stellen die Versicherten dagegen weniger in Frage.

Sehen Sie einen Ausweg aus dieser Situation?

Burkhart: Ärzte, die auch jüngeren Patienten gerecht werden wollen, müssen sich auf deren Ansprüche an Zeit und Zuwendung einstellen. Eine große Chance sehe ich in der Digitalisierung unseres Gesundheitswesens, die es dem Arzt ermöglichen wird, sich mehr Zeit für den Patienten zu nehmen. Stichworte sind beispielsweise die elektronische Patientenakte, die eine reibungslosere Abstimmung ermöglicht, oder Telemonitoring, das eine Überwachung mittels mobiler Geräte erlaubt. Entscheidend wird gerade für niedergelassene Ärzte sein, die gewonnene Zeit in das Gespräch mit dem Patienten zu investieren, die Kommunikation mit ihm auch über digitale Schnittstellen zu intensivieren und den Service in der Praxis auszubauen. Zeit wird zunehmend zum Qualitätsfaktor in der Medizin. Darauf muss auch das Gesundheitssystem reagieren und das Patientengespräch besser honorieren.

Stichwort Digitalisierung: Welche Rolle spielt der Hausarzt in Zeiten von Medizin-Apps und Dr. Google?

Burkhart: Nach wie vor eine bedeutende. Wenn es um die Wahl des Krankenhauses geht, schätzen Patienten seinen Rat am meisten, wie 61 Prozent bestätigen. Dennoch informieren sich immer mehr Versicherte auch im Netz. Wir haben die Bürger bereits zum vierten Mal für unser „Healthcare-Barometer“ zu denselben Themen befragt und können in diesem Punkt einen Verlauf feststellen: Digitale Informationsangebote werden für Patienten immer wichtiger. Ihre heutige Relevanz zeigt sich auch, wenn es um Informationen zur elektronischen Gesundheitskarte geht: Über 90 Prozent greifen hier auf Onlinequellen wie zum Beispiel die Internetseite ihrer Krankenkasse zurück.  

Wie bewerten deutsche Patienten ihr Gesundheitswesen allgemein?

Burkhart: Durchaus positiv – immerhin 59 Prozent zählen es zu den drei besten Systemen weltweit. Gegenüber der Vorjahresbefragung ist dieser Wert allerdings erkennbar um fünf Prozent gesunken. Dennoch schätzen die Bürger unser System, wie unser „Healthcare-Barometer“ belegt. So bewerten 53 Prozent die klinische Versorgung als „gut“ oder sogar „sehr gut“. Auch mit den Leistungen der Krankenkassen sind die Bürger einverstanden: 84 Prozent der Befragten sind mit ihrer Krankenkasse insgesamt zufrieden, übrigens nahezu unabhängig davon, ob sie gesetzlich oder privat versichert sind.

Die Pharmaindustrie kämpft mit einem schlechten Ruf, wie Ihre Studie zeigt. Wie erklären Sie sich das?

Burkhart: Tatsächlich sehen nach wie vor mehr Bürger die Pharmakonzerne als Profit- denn als Innovationstreiber. Jedoch zeigen unsere Daten, dass diese Auffassung im Vergleich zu den vorherigen Befragungsergebnissen abgenommen hat und eine leichte Verbesserung der Reputation zu beobachten ist. Gleichzeitig erhoffen sie sich von der Pharmaindustrie neue Medikamente. Die Pharmabranche bewegt sich in einem Umfeld hoher Kostensensibilität, strenger Regulierung und großer Erwartungen an die Erforschung neuer Medikamente. Wir müssen unbedingt anerkennen, dass es den Unternehmen trotz des Kosten- und Innovationsdrucks immer wieder gelingt, Medikamente mit Zusatznutzen zu entwickeln.

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Michael Burkhart

Michael Burkhart

Leiter Gesundheitswirtschaft und Managing Partner Region Mitte, PwC Germany

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Sevilay Huesman-Koecke

Sevilay Huesman-Koecke

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