DPR veröffentlicht Prüfungsschwerpunkte für 2021

29 November, 2020

Die Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung (DPR) hat auf der 12. Jahrestagung „Bilanzkontrolle und Abschlussprüfung“ des Deutschen Aktieninstituts e.V. (DAI) am 9. November 2020 die von der ESMA bereits angekündigten einheitlichen europäischen Schwerpunkte übernommen und um zwei nationale Prüfungsschwerpunkte ergänzt.

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Die DPR hat die von der ESMA bereits angekündigten einheitlichen europäischen Schwerpunkte übernommen und um zwei nationale Prüfungsschwerpunkte ergänzt

Auf europäischer Ebene wurden von der European Securities and Markets Authority (ESMA) gemeinsam mit den nationalen Enforcern (z. B. für Deutschland die DPR und BaFin) einheitliche Prüfungsschwerpunkte erarbeitet, die bei den Prüfungen im Jahr 2021 im Rahmen von DPR-Verfahren neben den nationalen Prüfungsschwerpunkten im Fokus stehen werden.

Die festgelegten gemeinsamen europäischen Schwerpunkte sind:

  • die Anwendung von IAS 1 Darstellung des Abschlusses, mit Schwerpunkt auf der Unternehmensfortführung, wesentlichen Beurteilungen und Schätzungsunsicherheiten sowie die Darstellung COVID 19-bezogener Themen in den Abschlüssen;
  • die Anwendung von IAS 36 Wertminderung von Vermögenswerten, da der erzielbare Betrag eines Goodwill, immaterieller und materieller Vermögenswerten durch die Verschlechterung der wirtschaftlichen Aussichten in verschiedenen Sektoren beeinflusst sein kann;
  • die Anwendung von IFRS 9 und IFRS 7 zu Finanzinstrumenten: Offenlegungen, einschließlich der Überlegungen zu Risiken, die sich aus Finanzinstrumenten ergeben, insbesondere Liquiditätsrisiken, sowie spezifische Aspekte zur Anwendung von IFRS 9 bei Kreditinstituten bezüglich der Expected Credit Losses;
  • spezifische Fragen im Zusammenhang mit der Anwendung von IFRS 16 Leasingverhältnisse, einschließlich expliziter Angaben von Leasingnehmern, die die durch COVID-19 ausgelösten Erleichterungsvorschriften des Standards zur Abbildung von Mietkonzessionen angewendet haben.

Die DPR hat zwei ergänzende nationale Prüfungsschwerpunkte veröffentlicht

IAS 24 Angaben über Beziehungen zu nahestehenden Unternehmen und Personen mit einem besonderen Augenmerk auf:

  • Abgrenzung/Identifizierung der nahestehenden Unternehmen und Personen
  • Angaben zum obersten beherrschenden Unternehmen
  • Angaben zur Art der Beziehung, zu Art, Höhe und Bedingungen von Geschäftsvorfällen sowie zu ausstehenden Salden
  • Kategorisierung der Angaben über die Beziehungen zu nahestehenden Unternehmen und Personen
  • Konsistenz der Angaben zum Abhängigkeitsbericht sowie korrekte Wiedergabe der Schlusserklärung

§ 315 HGB „Konzernlagebericht –Risikoberichterstattung unter Beachtung der Auswirkungen von COVID-19“, wobei vor allem folgende Punkte im Fokus stehen:

  • Vollständigkeit und Angemessenheit der Berichterstattung über wesentliche Risiken, insbesondere über Einzelrisiken und bestandsgefährdende Risiken sowie Risiken aus der Verwendung von Finanzinstrumenten: Ausmaß von Ausfall- und Liquiditätsrisiken, Darstellung und Erläuterung wesentlicher finanzieller Risiken im Zusammenhang mit Financial Covenants
  • Einklang zwischen Risiko- und Prognoseberichterstattung

In Anbetracht des COVID-19-bezugs mehrerer Prüfungsschwerpunkte, kann eine hohe Betroffenheit durch die COVID-19 Pandemie die Wahrscheinlichkeit erhöhen, einer Stichprobenprüfung durch die DPR zu unterliegen.

Relevanz der nicht-finanziellen Erklärung

Darüber hinaus wurden von der ESMA gemeinsame Schwerpunkte in Bezug auf die nicht-finanzielle Erklärung für das Jahr 2020 gesetzt:

  • Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf die nicht-finanzielle Lage,
  • Sozial- und Arbeitnehmerangelegenheiten,
  • Geschäftsmodell und Wertschöpfung und
  • Risiken im Zusammenhang mit dem Klimawandel.

Diesbezüglich prüft die DPR allerdings nur, ob eine nicht-finanzielle Erklärung vorliegt und konzentriert sich auf Anhaltspunkte für die Prüfung der finanziellen Berichterstattung. Trotzdem sollten Unternehmen darauf achten, dass ihre finanzielle und nicht-finanzielle Berichterstattung im Einklang ist und die Aussagen widerspruchsfrei sind, da sich hieraus auch Anhaltspunkte für die Prüfung des Konzernabschlusses ergeben können.

Weitere Überlegungen der ESMA

Ferner hat die ESMA Überlegungen zur Anwendung der ESMA-Richtlinien über alternative Leistungskennzahlen (APM) in Bezug auf COVID-19 angestellt.

Mit den diesjährigen europäischen Schwerpunkten betont die ESMA die Notwendigkeit einer angemessenen Transparenz hinsichtlich der Folgen der COVID-19-Pandemie und verweist auf ihre unterjährigen Veröffentlichungen zu dem Thema. Hierbei geht es vor allem um die Darstellung der Annahmen, die der Going-Concern-Prognose zugrunde liegen sowie um ausreichende Angaben zu Schätzungen und Schätzunsicherheiten, die sich auf die Bilanzierung auswirken. Auch der Brexit steht bei der ESMA nach wie vor im Vordergrund, seine Auswirkungen auf die Aktivitäten der Emittenten und ihre finanziellen und nichtfinanziellen Informationen.

Angesichts der Komplexität des derzeitigen Umfelds appelliert die ESMA an die Verantwortung der Management- und Aufsichtsorgane sowie die Bedeutung der Aufsichtsfunktion von Prüfungsausschüssen für Konsistenz und Qualität der Abschlüsse.

Darüber hinaus erinnert die ESMA die Unternehmen an deren Pflicht, ab dem Geschäftsjahr 2020 Jahresfinanzberichte in Übereinstimmung mit dem Europäischen Einheitlichen Elektronischen Format (ESEF) zu erstellen.

Weitere Informationen zu den ESMA-Prüfungsschwerpunktenfinden Sie hier,die DPR-Prüfungsschwerpunkte sind auf der Internetseite der DPR abrufbar.

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