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„Flexibilität ist in Zeiten des Abschwungs Gold wert“

20 September, 2019

Im Interview mit Dr. Ralph Niederdrenk

Die Konjunktur in Deutschland kühlt ab, und das bekommt auch die Zeitarbeitsbranche zu spüren: Die Zahl der Zeitarbeitnehmer ist in der zweiten Jahreshälfte 2018 um fast zehn Prozent eingebrochen. Für 2019 rechnet die Branche mit einem Rückgang des Marktvolumens um weitere drei Prozent. Wie können sich Zeitarbeitsfirmen gegen den Abschwung wappnen? Im Interview spricht PwC-Experte Ralph Niederdrenk über mögliche Strategien und die Rolle der Digitalisierung.

Anfang 2018 boomte die Zeitarbeitsbranche noch – jetzt deutet sich eine Talfahrt an. Woran liegt das?

Die allgemeine konjunkturelle Abschwächung macht vor der Zeitarbeitsbranche natürlich nicht Halt. Eskalierende Handelskonflikte, die Unsicherheit rund um den Brexit und geopolitische Spannungen trüben die wirtschaftliche Zuversicht. Hinzu kommt, dass wichtige deutsche Industrien unter Druck geraten: Die Automobil- und Zuliefererbranche steht vor einem riesigen Transformationsprozess infolge der Umstellung auf den Elektroantrieb. Zudem machen strukturelle Themen wie der Fachkräftemangel und die strengere Regulierung der Leiharbeit Zeitarbeitsfirmen zu schaffen. An Herausforderungen mangelt es derzeit sicherlich nicht.

Wie kann sich die Zeitarbeitsbranche auf das unruhige Fahrwasser vorbereiten?

Grundsätzlich brauchen Zeitarbeitsfirmen eine klare strategische Ausrichtung, um sich im aktuellen Marktumfeld zu behaupten. Eine Option ist beispielsweise die Spezialisierung auf nicht-zyklische Nischen und Berufsgruppen mit hoher Nachfrage, etwa die Bereiche Pflege und IT. Eine weitere Möglichkeit ist die Fokussierung auf ein innovatives Geschäftsmodell, etwa die Einführung einer Online-Plattform. Wir beobachten, dass immer mehr Zeitarbeitsfirmen auf die Stärken der Digitalisierung hoffen – und das zu Recht.

Müssen die Unternehmen denn gleich an ihr Geschäftsmodell, also ans „Eingemachte“?

Natürlich können sich Zeitarbeitsunternehmen auch auf reine Optimierungspotenziale fokussieren, etwa bei der Vereinfachung der internen Verwaltungsprozesse oder bei der Rekrutierung von Zeitarbeitern. Durch digitale Tools und Prozesse lassen sich in diesen Bereichen nicht nur Kosten senken, sondern auch die Kunden- und Mitarbeiterzufriedenheit steigern, zum Beispiel durch eine schnellere und passgenauere Vermittlung. Dennoch rate ich meinen Kunden, immer auch ihr Geschäftsmodell insgesamt im Blick zu behalten. Denn genauso wie es in anderen Branchen schon passiert ist, kann jederzeit Bewegung durch einen branchenfremden Player entstehen.

„Digitale Geschäftsmodelle haben den großen Vorteil, dass sie flexibel und skalierbar sind – und beides ist in Zeiten des wirtschaftlichen Abschwungs Gold wert.“

Dr. Ralph Niederdrenk, Partner und Deals Strategy Leader bei PwC Deutschland

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Dr. Ralph Niederdrenk

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Partner, Deals Strategy Leader, PwC Germany

Tel.: +49 89 5790-5320

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