Energiebranche: Weiterhin wenige Frauen in Führungspositionen

08 Mai, 2018

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PwC analysiert Chefetagen von Energieunternehmen / Frauen weiter selten in Führungspositionen / Höchster Anteil in Verwaltungs- und Aufsichtsräten, Vorstände bleiben Männerdomäne / Firmen der Branche Erneuerbare Energien mit größtem Frauen-Zuwachs

Düsseldorf, 08. Mai 2018

Frauen haben es weiterhin schwer, in die Chefetagen der Wirtschaft zu kommen – die Energiebranche ist da keine Ausnahme. Der Anteil der Frauen in Führungspositionen liegt dort derzeit bei zwölf Prozent. Das entspricht einer Zunahme um zwei Prozentpunkte im Vergleich zur Voruntersuchung 2014.

„Für einen Vierjahreszeitraum ist der Anstieg viel zu gering. Frauen werden trotz hoher fachlicher Qualifikation zu selten für Führungspositionen vorgeschlagen“, sagt Nicole Elert, Fachanwältin für Arbeitsrecht und Leiterin der juristischen Beratung für Energieunternehmen zum Thema Arbeit der PwC Legal AG. Sie hat sich in einem Buch mit der Energiewende aus Frauensicht beschäftigt.

„Unternehmen der Energiewirtschaft müssen stärker in die gezielte Förderung von weiblichen Führungskräften investieren und ihre Arbeitgeberattraktivität in dieser Hinsicht prüfen. Das empfiehlt sich nicht zuletzt auch mit Blick auf den Fachkräftemangel.“

Nicole Elert, Fachanwältin für Arbeitsrecht und Leiterin der juristischen Beratung für Energieunternehmen zum Thema Arbeit der PwC Legal AG

Etwa jede vierte fachliche Leitung in der Energiebranche ist von einer Frau besetzt. Damit ist ihr Anteil im Vergleich zu 2014 nahezu gleichgeblieben. Es dominieren Tätigkeitsbereiche wie Personalführung (41 Prozent) und Werbung/Marketing/Presse (40 Prozent). „Eher technische oder strategische Aufgaben werden weiterhin fast ausschließlich von Männern erledigt“, so Elert. In der Datenverarbeitung sind nur sieben Prozent der Führungskräfte Frauen, in der Technischen- und Fertigungsleitung nur zwei Prozent, um die Firmenstrategie kümmern sich nur zu 18 Prozent auch Frauen. Zudem beziehen sich die Werte vor allem auf das mittlere Management. Im Top-Management dagegen liegt der Frauenanteil selbst bei Personal und Marketing lediglich bei einem Prozent.

Im Bereich der Erneuerbaren Energien ist die Entwicklung etwas dynamischer als in der Branche insgesamt. Zwar ist auch hier nur jede vierte fachliche Leitung weiblich, aber ihr Anteil ist im Vergleich zu 2014 um vier Prozentpunkte gestiegen. Insgesamt hat sich die Zahl der weiblichen Chefs im Bereich der Erneuerbaren Energien um drei Prozentpunkte erhöht.

Aufsichtsräte: Energieunternehmen würden Quote nicht erfüllen

Positionen im Aufsichts- und Verwaltungsrat werden in der Energiewirtschaft eher durch Frauen besetzt als Vorstandsposten: Ihr Anteil ist um zwei Prozentpunkte auf 13 Prozent gestiegen. Für Aufsichtsräte von rund 100 börsennotierten Unternehmen liegt der gesetzlich vorgeschriebene Frauenanteil bei 30 Prozent – und wird auch erreicht. Davon ist die Energiebranche noch weit entfernt. „Der Druck durch ein Gesetz wirkt. Das zeigt auch ein weiteres Ergebnis unserer Analyse: In den Bereichen von Politik und Behörden, die sich mit Energiethemen beschäftigen, ist der Frauenanteil mit 27 Prozent weit höher als im Branchenschnitt“, sagt Norbert Schwieters, Leiter Energiewirtschaft bei PwC Deutschland. Vor allem in den südlichen Bundesländern hat sich der Frauenanteil in Politik und Verwaltung seit 2014 deutlich um 15 Prozentpunkte auf 30 Prozent verdoppelt.

Große Firmen haben eine bessere Quote als kleinere. Am höchsten ist der Frauenanteil in Aktiengesellschaften: Hier liegt er bei 14 Prozent, bei GmbHs bei zwölf Prozent und bei Genossenschaften nur bei vier Prozent. Bis in den Vorstandsvorsitz geschafft haben es Dr. Marie-Luise Wolff von der Entega AG und Maria Moraeus Hanssen bei der DEA Deutsche Erdoel AG sowie seit dem 1. Mai 2018 Marion Rövekamp bei der EWE AG. Zwei weibliche Vorstandsmitglieder hat die Uniper Global Commodities SE. Doch Frauen in Vorständen von deutschen Unternehmen sind nach wie vor selten: Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) ermittelt seit Jahren gleichbleibend acht Prozent bei den 200 umsatzstärksten Firmen, bei den DAX 30 immerhin 13 Prozent. Die Energiebranche bleibt noch dahinter zurück: Nur fünf Prozent der Vorstandsmitglieder sind Frauen. „Hinsichtlich der Frauenquote sollte sich die Energiewirtschaft ein Beispiel an anderen Branchen wie Handel oder Dienstleistung nehmen“, so Schwieters.

Netzwerke und gute Rahmenbedingungen

Um Frauen in der Wirtschaft zu fördern, werden Netzwerke eingerichtet. PwC hat im Rahmen der Studie 16 Frauennetzwerke in der Energiewirtschaft identifiziert. Ein Großteil davon wird von Unternehmen für die eigenen Mitarbeiterinnen organisiert. „Frauen, die bereits in der Energiewirtschaft Fuß gefasst haben, brauchen dringend positive Vorbilder und eine Möglichkeit zum Austausch. Netzwerke sind ein guter Weg – aber reichen allein nicht aus“, so Nicole Elert „Die Unternehmenskultur muss modernisiert werden und weiblichen wie männlichen Talenten mehr Zeitsouveränität, Flexibilität und gute Rahmenbedingungen bieten, auch in Führungspositionen die Work-Life-Balance aufrechtzuerhalten.“

Über die Studie:

Für die Studie „Frauen in der Energiewirtschaft“ wurden 2.440 Unternehmen aus der Energiewirtschaft sowie 350 Firmen mit Fokus Erneuerbare Energien im April 2018 überprüft. Zusätzlich wurden 200 Ministerien und Behörden, 90 Verbände und 25 wissenschaftliche Institute betrachtet.

Über PwC:

PwC betrachtet es als seine Aufgabe, gesellschaftliches Vertrauen aufzubauen und wichtige Probleme zu lösen. Mehr als 236.000 Mitarbeiter in 158 Ländern tragen hierzu mit hochwertigen, branchenspezifischen Dienstleistungen in den Bereichen Wirtschaftsprüfung, Steuer- und Unternehmensberatung bei.
Die Bezeichnung PwC bezieht sich auf das PwC-Netzwerk und/oder eine oder mehrere der rechtlich selbstständigen Netzwerkgesellschaften. Weitere Details unter www.pwc.com/structure.

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Daniel Klinge
Energy, Öffentlicher Sektor, PwC Germany
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