Hamburger Startups haben gute Laune, es fehlt aber an Personal, Kapital und bezahlbaren Büros

04 März, 2020

Hamburger Startups wollen im Schnitt zehn neue Mitarbeitende einstellen und ihre Umsätze verdreifachen / Suche nach Fachkräften und bezahlbaren Immobilien bereitet Kopfschmerzen / Wagniskapital ist Mangelware / Jeder zweite Gründer in Hamburg wählt grün

Hamburg, 04. März 2020

Hamburg gehört zu den fünf deutschen Hotspots, wenn es um die meisten Startup-Gründungen geht, gemeinsam mit Berlin, der Metropolregion Rhein-Ruhr, München und Stuttgart/Karlsruhe. Die Hamburger Gründerinnen und Gründer blicken dabei sehr zuversichtlich in die Zukunft: Sie wollen ihre Umsätze mehr als verdreifachen und ausländische Märkte erobern. Schwierigkeiten bereitet ihnen jedoch die Suche nach bezahlbaren Büroräumen und qualifiziertem Personal sowie der Zugang zu externem Kapital.

Zu diesen Ergebnissen kommt die Regionalauskopplung des 7. Deutschen Startup-Monitors (DSM), an der 141 Unternehmen aus Hamburg teilgenommen haben. Den bundesweiten DSM mit knapp 2.000 Befragten haben der Bundesverband Deutsche Startups e. V. und die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC in Kooperation mit der Universität Duisburg-Essen erstellt und im November 2019 veröffentlicht.

Hamburger Entrepreneure wollen kräftig einstellen

Insgesamt herrscht gute Stimmung in der Hamburger Gründerszene: Sie will ihre Umsätze deutlich von durchschnittlich 1,3 Millionen Euro im vergangenen Geschäftsjahr auf 4,4 Millionen Euro steigern, das Personal kräftig aufstocken und überdurchschnittlich häufig ins Ausland expandieren. 79 Prozent haben das vor – bundesweit liegt dieser Wert nur bei 66 Prozent. „Mich wundert diese gute Stimmung nicht, da Hamburg einige sehr spezifische Vorteile bietet“, kommentiert Thorsten Dzulko, Standortleiter von PwC in Hamburg. „Einer davon ist zum Beispiel die lange Kaufmanns-Tradition. Es gibt hier viele mittelständische oder familiengeführte Gesellschaften, die sehr unternehmerisch denken und sich als Business Angel – vom Sparringspartner bis zum Investor - für Startups engagieren. Zum zweiten gibt es in Hamburg viele Branchen, in denen es rege Gründeraktivitäten gibt, darunter die Kreativwirtschaft, der Handel- und Konsumgüterbereich oder auch die Logistik. In Kombination mit den Initiativen der Stadt ist damit eine gute Basis für die Vernetzung von Startups und etablierten Unternehmen geschaffen.“

Mühsame Suche nach Fachkräften und bezahlbaren Büroräumen

Um die ambitionierten Pläne der Gründerszene in die Realität umzusetzen, braucht es vor allem eines: gutes Personal. Vier von fünf Hamburger Startup-Entscheidern wollen deshalb in neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter investieren. Die Zahl der Beschäftigten soll in den kommenden zwölf Monaten um 10 (bundesweit: 8) steigen – von 15 auf 25. Die Suche nach geeigneten Mitarbeitern ist jedoch mühsam.

„Jeder Dritte bezeichnet den Zugang zu qualifiziertem Personal in Hamburg als schlecht. Das liegt auch an den hohen Mieten an der Alster, die für Hamburger Gründer gleich doppelt problematisch sind: Zum einen ist es schwierig, bezahlbare Gewerbeimmobilien zu finden, wie vier von zehn Befragten bestätigen. Zum anderen schrecken hohe Mieten potenzielle Mitarbeiter ab.“

Thorsten Dzulko, Standortleiter von PwC in Hamburg

Das bestätigt auch eine PwC-Bevölkerungsumfrage aus dem vergangenen Dezember: Das knappe und teure Wohnungsangebot stellt die Hamburger Arbeitgeber vor Probleme bei der Personalsuche, denn es hemmt die Bereitschaft von qualifizierten Fachkräften zum arbeitsbedingten Standortwechsel.

Standortzufriedenheit liegt unter dem bundesweiten Durchschnitt

Insgesamt bewertet die Mehrheit der Hamburger Gründerinnen und Gründer (54 Prozent) das Startup-Ökosystem in der Hansestadt trotz allem als gut - liegt damit bei der Standortzufriedenheit aber unter dem bundesweiten Durchschnitt von 58 Prozent. Positiv bewerten die Hamburger Gründerinnen und Gründer die Nähe zu Universitäten (78 Prozent) und das gute Netzwerk zu anderen Gründern (63 Prozent). Knapp die Hälfte bewertet die wirtschaftspolitischen Initiativen als sehr gut oder gut – dieser Wert liegt etwas unter dem Bundesdurchschnitt.

„Aber Hamburg ist hier auf einem sehr guten Weg und engagiert sich aus meiner Sicht sehr gut bei der Startup-Förderung. Die Stadt hat in den letzten Jahren viel für ein florierendes Ökosystem für Gründer getan – besonders hervorzuheben ist dabei die Arbeit der Startup Unit von Hamburg Invest. Sie präsentiert die Stadt Hamburg vor Ort und auch international als sehr gründerfreundliche Stadt und spricht dabei die Sprache der GründerInnen.“

Christoph Haß, Ansprechpartner der PwC-Startup-Initiative NextLevel in Hamburg

Zudem profitieren die Gründer  von der Wirtschaftskraft der Metropolregion: Knapp zwei Drittel (63 Prozent) kooperieren mit anderen Startups, 77 Prozent arbeiten in Form einer Kooperation mit etablierten Unternehmen zusammen (bundesweit nur 67 Prozent).

Hamburg wählt grün

Rund die Hälfte der befragten Startups scheint zumindest mit einem Teil der in Hamburg regierenden rot-grün Koalition zufrieden zu sein: Jeder Zweite würde grün wählen (48 Prozent). Das sind fünf Prozentpunkte mehr als im bundesweiten Durchschnitt. Doch auch wenn die Hamburger Startups politisch mit den Grünen sympathisieren, so setzen sie inhaltlich weniger auf grüne Themen als das bundesweit der Fall ist. Nur 33 Prozent zählen sich zur Green Economy (bundesweit 37 Prozent); lediglich 41 Prozent wollen mit ihrem Unternehmen eine positive gesellschaftliche oder ökologische Wirkung erzielen (bundesweit 51 Prozent).

Wunsch und Wirklichkeit bei der Finanzierung

Etwas leichter als der Durchschnitt tun sich Hamburger Gründer damit, Investoren für sich einzunehmen. So bezeichnet es ein Drittel als einfach, Geldgeber von ihrer Finanzprognose zu überzeugen (bundesweit 24 Prozent). Nach Ansicht von Christoph Haß könnte das auch an der Ausbildung liegen.

„Bei den Hamburger Startups sind mehr Betriebswirte tätig als im bundesweiten Schnitt. Vielleicht tun die sich etwas leichter als Naturwissenschaftler oder Ingenieure, Investoren von ihrem Business Plan zu überzeugen. Zudem hat jeder zweite bereits Gründungserfahrung und daraus seine Lehren gezogen – auch für die Kapitalbeschaffung.“

Christoph Haß, Ansprechpartner der PwC-Startup-Initiative NextLevel in Hamburg

Dennoch zählt diese – wie bundesweit - in Hamburg zu den größten Herausforderungen. Wunsch und Wirklichkeit klaffen dabei weit auseinander: Die bevorzugten Kapitalquellen der Startup-Entscheider sind Business Angels (53 Prozent), staatliche Fördermittel (48 Prozent) und Venture Capital (47 Prozent). Und auch wenn in Hamburg immerhin schon 42 Prozent über Business Angels finanziert werden – bundesweit sind das nur 23 Prozent – so erfolgt die Finanzierung auch in der Hansestadt für 82 Prozent der Startups primär über ihre eigenen Ersparnisse. Risikokapitalgeber sind an der Alster ebenfalls - wie überall in Deutschland - Mangelware: Nur 19 Prozent profitieren von Venture Capital.

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Corinna Freudig

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