NextGen will den grünen Wandel, zögert aber bei der Umsetzung

05 Oktober, 2022

77 Prozent der NextGens sehen sich in der Verantwortung für Klimaschutz – aber nur ein Drittel verfolgt eine Strategie / Top-Priorität hat für 58 Prozent Umsatzwachstum / Generationen-Clash Digitalisierung: Ein Drittel glaubt, dass die Elterngeneration die Chancen der Digitalisierung nicht versteht / Etwa der Hälfte der älteren Generation fällt es schwer, ihren Platz freizumachen

Düsseldorf, 4. Oktober 2022

Reden ist Silber, Handeln ist Gold – das gilt auch und gerade für die nächste Generation in Familienunternehmen. Sie wünscht sich zwar den Umbau zur nachhaltigen Wirtschaft, agiert dabei aber viel zu zögerlich: 77 Prozent der Vertreter:innen der Next Generation im deutschsprachigen Raum, kurz NextGens, sind davon überzeugt, dass sie Verantwortung für die Bekämpfung des Klimawandels tragen, und 67 Prozent glauben, dass Familienunternehmen in puncto Nachhaltigkeit Vorreiter sein können. Doch die Generation läuft Gefahr, dass es sich dabei um bloße Lippenbekenntnisse handelt: Gerade einmal 27 Prozent setzen sich aktuell für die Reduktion der Umweltauswirkungen ihres Unternehmens ein.  Das sind zentrale Ergebnisse des „NextGen Survey 2022“, für den die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC gemeinsam mit der INTES Akademie für Familienunternehmen weltweit mehr als 1.000 NextGens aus 68 Ländern befragt hat, darunter 100 aus dem deutschsprachigen Raum (Deutschland, Österreich und Schweiz).

„Nachhaltigkeit ist seit jeher Teil der DNA von Familienunternehmen – wegen ihrer starken Werteorientierung und ihres langfristigen Denkens. Und gerade jetzt in einer Zeit, da das Thema angesichts der akuten Krisen – allen voran der Krieg in der Ukraine und die daraus resultierende Energiekrise – zum Teil in den Hintergrund gedrängt wird, haben die Unternehmen die Chance und auch die Verpflichtung, eine führende Rolle auf diesem Gebiet zu übernehmen. Ich setze da sehr stark auf die NextGens und hoffe, dass sie beherzt die Ärmel hochkrempeln und diesen Wandel vorantreiben. Sie werden jetzt mehr gebraucht denn je. Denn künftig werden nur die Unternehmen erfolgreich sein, die mit nachhaltigen Geschäftsmodellen überzeugen.“

Uwe Rittmann, Leiter Familienunternehmen und Mittelstand bei PwC Deutschland

Wachstum hat höchste Priorität für NextGens

Genau diesen Punkt unterschätzt die junge Generation bisher allerdings. Sie hat Umsatzwachstum zur Priorität Nummer 1 für die kommenden zwei Jahre erklärt, wie 58 Prozent der NextGens im deutschsprachigen Raum bestätigen; weltweit sind es mit 65 Prozent noch mehr. Am großen Ziel Wachstum richten sich auch die weiteren Top-Prioritäten aus: Die NextGens wollen neue Talente gewinnen (51 Prozent), ihre Belegschaft digital weiterbilden (45 Prozent) und sich neue Märkte und Sektoren erschließen (44 Prozent). Eine Steigerung der Investitionen in Nachhaltigkeit planen hingegen nur knapp 30 Prozent. 

„Diese Schritte sind gut und richtig, denn Unternehmen müssen wachsen, um erfolgreich zu sein. Gerade nach den Pandemiejahren mit Umsatzeinbußen ist dieser Wunsch verständlich. Doch die weltpolitische Situation hat die Rahmenbedingungen für die Wirtschaft nun einmal verändert. Es ist jetzt wichtiger denn je, ein schlüssiges Gesamtkonzept zu haben, um einerseits auf die akuten Schwierigkeiten zu reagieren und andererseits die nachhaltige und digitale Transformation zu bewältigen. Denn auf mittlere und lange Sicht wird Environmental Social Governance (ESG) zum wichtigsten Treiber des Unternehmenswachstums.“

Uwe Rittmann, Leiter Familienunternehmen und Mittelstand bei PwC Deutschland

Digitalisierung als Konfliktthema zwischen den Generationen

Auch die digitale Transformation gilt vielen der NextGens noch als große Baustelle im eigenen Familienunternehmen. Auch wenn die Pandemie die Digitalisierung beschleunigt hat, attestieren lediglich 44 Prozent ihrem Unternehmen starke digitale Fähigkeiten – weltweit sind es mit 42 Prozent noch weniger. Als Ursache dafür gilt eine Art Generationen-Clash: Rund ein Drittel der Befragten sagt, dass die aktuelle Generation die Chancen und Risiken der Digitalisierung nicht versteht. Und 32 Prozent spüren im Unternehmen Widerstand gegen Veränderungen. 

Der aktuellen Generation fällt es schwer, ihren Platz zu räumen

Der Generationen-Clash zeigt sich aber nicht nur in puncto Digitalisierung. Häufig fühlen sich die NextGens noch durch die Elterngeneration ausgebremst. So sagen 51 Prozent, dass es der aktuellen Generation schwerfällt, ihren Platz für die Nachfolger freizumachen. Global sind es sogar 57 Prozent. Gleichzeitig herrscht viel Unklarheit über die künftige Rollenverteilung im Unternehmen – knapp die Hälfte der Befragten weiß nicht, welche Karriereperspektiven die ältere Generation für sie plant. Damit verschenken Familienunternehmen viel Potenzial, denn NextGens sind gewillt, Verantwortung im Familienunternehmen zu übernehmen – 60 Prozent sehen sich in den kommenden fünf Jahren dort in einer Führungsposition. 

„Die Nachfolge gehört zu den Punkten, an denen Familienunternehmen am häufigsten scheitern. Für den reibungslosen Übergang ist eine enge Zusammenarbeit zwischen den Generationen wichtig – vor allem aber braucht es dafür Ehrlichkeit, Offenheit und Vertrauen. So ist es sicher wichtig, die junge Generation früh in Entscheidungen einzubinden oder Verantwortung zu übertragen – aber es ist genauso wichtig, auch klar zu kommunizieren, wo die aktuelle Generation vielleicht Bedenken hat und Defizite sieht, die gemeinsam abgebaut werden sollten. Entscheidend ist dabei immer, dass die NextGen weiß, dass sie Rückendeckung erhält.“

Uwe Rittmann, Leiter Familienunternehmen und Mittelstand bei PwC Deutschland

NextGens wünschen sich mehr Expertise

Doch das Verhältnis der verschiedenen Generationen untereinander ist nicht die einzige Hürde für NextGens auf dem Weg ins Familienunternehmen. Ein Viertel der jungen Unternehmer sagt, dass ihr Expertise für eine künftige Führungsrolle fehlt, was sich in der Pandemie besonders deutlich gezeigt hat: In den Bereichen Leadership/Soft Skills (52 Prozent), Finance/Investitionen (43 Prozent) und Geschäftsmodellinnovation (31 Prozent) gibt es ihrer eigenen Einschätzung nach Nachholbedarf. 

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Corinna Freudig

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