Steigende Mieten und Preise für Wohneigentum verschärfen den Fachkräftemangel im Rhein-Neckar-Raum

10 Oktober, 2022

Die große Mehrheit der Berufstätigen fühlt sich in der Region wohl / Der Unmut über die hohen Miet- und Eigentumspreise wächst – mit negativen Folgen für den Arbeitsmarkt / Homeoffice-Angebote, Fahrt- und Mietzuschüsse können helfen, Berufstätige in Ballungsgebieten zu halten

Mannheim, 10. September 2022

In der Metropolregion Rhein-Neckar lässt es sich gut leben. Nahezu alle Berufstätigen aus dem Rhein-Neckar-Gebiet (93 Prozent) fühlen sich in ihrer Region wohl. Dabei schätzen sie vor allem die guten Einkaufsmöglichkeiten und die Verkehrsinfrastruktur. Aber auch das Bildungsangebot sowie die Parkanlagen und Grünflächen in der Region kommen gut weg. Gleichzeitig steigt der Frust der Berufstätigen über die hohen Mieten und die Kosten für Wohneigentum – und das dürfte den bestehenden Fachkräftemangel weiter verschärfen.  Zu diesen Ergebnissen kommt eine Befragung unter 200 Berufstätigen zwischen 18 und 65 Jahren in der Region Rhein-Neckar im Auftrag der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC. 

„Die Lebensqualität in der Rhein-Neckar-Region ist hoch. Im Allgemeinen sind die Menschen hier zufrieden mit den attraktiven Job- und Freizeitmöglichkeiten. Das gilt sowohl für die Bewohner:innen der Metropolen wie Mannheim, Heidelberg und Ludwigshafen als auch für die Menschen in den mittelgroßen Städten und ländlichen Gegenden.“

Stefan Ditsch, Standortleiter von PwC in Mannheim

Die Länge des Arbeitswegs empfinden die allermeisten (77 Prozent) als angemessen. Dabei pendelt rund die Hälfte der Berufstätigen (52 Prozent) zu ihrer Arbeitsstelle und ist dafür im Schnitt 25 Minuten unterwegs. Das liegt deutlich unter den 36 Minuten, die sie als maximal akzeptable Dauer für die Anfahrt zur Arbeit angeben. 

Der Frust über die hohen Mieten und Eigentumspreise wächst 

Sorgen bereitet PwC-Experte Stefan Ditsch jedoch, dass die Unzufriedenheit der Berufstätigen mit der Situation auf dem Wohnungs- und Immobilienmarkt zunimmt: 65 Prozent der Befragten beklagen sich über die hohen Kosten für Wohneigentum. 2019 lag dieser Anteil bei 54 Prozent. Und nur noch weniger als ein Viertel (23 Prozent) hält die Mietpreise für angemessen (2019: 30 Prozent). Die anziehenden Zinsen für Baukredite und die hohe Inflation verstärken das Problem: 

„Durch die steigenden Bau- und Zinskosten rückt der Traum vom Eigentum für viele Menschen in weite Ferne. Aber auch für Mieter wird die Lage durch die hohen Energiepreise und die inflationsbedingt stark steigenden Lebenshaltungskosten immer schwieriger.“

Stefan Ditsch, Standortleiter von PwC in Mannheim

Hohe Mieten und Immobilienpreise verschärfen den Fachkräftemangel 

Der wachsende Unmut über die Lage auf dem Miet- und Immobilienmarkt hat auch negative Folgen für den Arbeitsmarkt in der Region: Fast drei Viertel der Berufstätigen (73 Prozent) gehen davon aus, dass die Situation auf dem Miet- und Immobilienmarkt Unternehmen vor das Problem stellt, Fachkräfte zu finden und zu halten. Gegenüber 2019 ist das eine signifikante Steigerung: Damals lag der Wert bei 57 Prozent.

Und diese Sorge ist durchaus begründet, denn: Gut jede:r dritte Berufstätige hat bereits den Job wegen zu hoher Mieten gewechselt oder zumindest darüber nachgedacht. Bei den 18- bis 34-Jährigen ist es sogar jede:r Zweite. 

„Vor dem Hintergrund der angespannten Lage am Fachkräftemarkt ist das ein deutliches Alarmsignal. Da die Rekrutierung neuer Mitarbeiter:innen in sehr vielen Berufsfeldern schwierig ist, sind Unternehmen und die öffentliche Hand gut beraten, zusätzliche Anstrengungen zu unternehmen, um ihre Mitarbeiter:innen zu halten.“

Stefan Ditsch, Standortleiter von PwC in Mannheim

Wie Unternehmen ihren Beschäftigten unter die Arme greifen können

Aus Sicht der Berufstätigen gibt es eine Reihe von Möglichkeiten, um dem wohnungsbedingten Fachkräftemangel entgegenzuwirken: 85 Prozent halten etwa die Finanzierung der Homeoffice-Ausstattung durch die Arbeitgeber für eine geeignete Maßnahme - denn dann wird der Umzug in ländlichere (und kostengünstigere) Regionen attraktiver. Dass Unternehmen mit einem großzügigen Homeoffice-Angebot im Kampf um die besten Köpfe punkten können, weiß Stefan Ditsch aus eigener Erfahrung: 

„PwC Deutschland hat seinen Mitarbeiter:innen bereits vor der Pandemie durch ein FlexWork-Konzept die Möglichkeit gegeben, flexibel und ortsunabhängig zu arbeiten. Die Umstellung auf ein dauerhaftes Homeoffice ist uns deshalb leicht gefallen. Mittlerweile gehört das hybride Arbeiten ganz selbstverständlich dazu.“

Stefan Ditsch, Standortleiter von PwC in Mannheim

So handhaben es auch viele Unternehmen in der Region: Laut Studie hat aktuell jede:r zweite Beschäftigte aus dem Rhein-Neckar-Gebiet die Möglichkeit, zumindest teilweise von zu Hause zu arbeiten. Vor der Corona-Pandemie lag dieser Anteil bei 41 Prozent. „Allerdings klafft mit den aktuellen Regelungen rund um Remote-Work noch eine große Lücke zwischen Wunsch und Wirklichkeit“, konstatiert Stefan Ditsch. Laut Umfrage wünschen sich knapp zwei Drittel der Beschäftigten (63 Prozent), deren Arbeit grundsätzlich aus dem Homeoffice möglich wäre, eine freie Regelung für flexibles Arbeiten – und zwar ohne Abstimmung und Anwesenheitspflicht. Allerdings bieten nur 44 Prozent der Unternehmen ihnen aktuell diese Möglichkeit. 

Rund 80 Prozent sprechen sich für Miet- und Fahrtzuschüsse aus

Zu bedenken gibt Stefan Ditsch, dass Homeoffice längst nicht für alle Beschäftigten eine Option ist. Bei 32 Prozent der Befragten ist Heimarbeit aufgrund der Tätigkeit gar nicht möglich. Der Grund: Sie arbeiten in der Produktion , im Handwerk, im Einzelhandel, der Pflege bzw. im  Krankenhaus. „Auch für diese Beschäftigten braucht es Ideen, um sie trotz hoher Mieten in der Region zu halten“, fordert Stefan Ditsch. Wirksame Maßnahmen könnten zum Beispiel Mietzuschüsse sein. Dies befürworten auch 82 Prozent der Befragten. 80 Prozent halten Betriebswohnungen für ein gutes Mittel, um Fachkräfte trotz hoher Mieten zu halten. 78 Prozent sprechen sich für eine Übernahme der Fahrtkosten zwischen Wohn- und Arbeitsort aus – in Anbetracht der hohen Spritpreise ein wirksames Mittel. 

Nicht zuletzt sieht Stefan Ditsch die öffentliche Hand in der Pflicht, die Rahmenbedingungen zu verbessern. 

„Es kann nicht sein, dass sich Berufstätige aus Industrie und Handwerk keine Wohnungen mehr in den Städten leisten können. Um Fachkräfte in den Ballungsräumen zu halten, braucht es auch staatliche Unterstützung durch ganz verschiedene Maßnahmen.“

Stefan Ditsch, Standortleiter von PwC in Mannheim

„In Mannheim und Heidelberg  wurde zum Beispiel ein hochinteressanter Konversionsprozess gestartet, bei dem rund 500 Hektar Fläche, die durch den Abzug der US- und NATO-Streitkräfte frei geworden sind, umgewandelt werden - zu einem guten Teil in Wohneinheiten,“ so Stefan Ditsch weiter. „Die Gelegenheit haben andere Städte natürlich nicht, aber es gibt auch andere Maßnahmen.“

Dazu gehören nach Ansicht von Ditsch spezielle Wohnungsbauprogramme für Haushalte mit geringem Einkommen, die Flexibilisierung von Bebauungsplänen oder Nachverdichtungen von bereits bestehenden Gebäuden durch Aufstockung oder den Ausbau von Dachböden.

Über PwC: 

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Corinna Freudig

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