Eigentum? Brauche ich nicht! Wie die Share Economy Statussymbolen ihren Reiz nimmt

21 Februar, 2018

PwC hat eine umfassende Share-Economy-Studie erstellt. Der verantwortliche Partner, Prof. Dr. Nikolas Beutin, Leiter Customer Practice bei PwC Europe, über neue Erkenntnisse, wichtige Erfolgskriterien und einen Motivationswandel beim Teilen.

Herr Prof. Dr. Beutin, PwC Deutschland hat den Share-Economy-Markt bislang naturgemäß mit Fokus auf den Heimatmarkt untersucht. In Ihrer neuesten Studie zum Thema haben sie fünf weitere Länder einbezogen. Warum?

Nikolas Beutin: Weil Europa wirtschaftlich weiter zusammenwächst und digitale Geschäftsmodelle wie die Share Economy keine Grenzen kennen. Da wurde es Zeit, in einem ersten Schritt Belgien, Österreich, die Niederlande, die Schweiz und die Türkei einzubeziehen und die Studie gemeinsam mit PwC-Experten aus diesen fünf Ländern zu erstellen.

Sind Sie zufrieden mit dem Ergebnis?

Beutin: Mehr als das: Wir sind stolz darauf – auch weil die Zusammenarbeit sehr gut funktioniert hat. Meines Wissens gibt es bisher keine valide Studie in Europa, die die Marktentwicklung und ihre Einflussfaktoren mit einer ähnlichen Datenbreite und -tiefe belegt. Unsere Studie zeigt, was Share-Economy-Nutzern wirklich wichtig ist und wie Anbieter darauf reagieren sollten.

Wird dieser Markt weiter wachsen?

Beutin: Danach sieht es eindeutig aus. Allein für Deutschland ist 2018 – im Vergleich zum Vorjahr – ein Umsatzplus von über fünf Prozent auf 24,1 Milliarden Euro realistisch. Das größte Potenzial bei den Nutzerzahlen hat allerdings die Türkei – obwohl im Umfragezeitraum Juni bis August 2017 bereits 68 Prozent der dort Befragten angaben, Share-Economy-Angebote zu nutzen.

Wie viel Prozent waren es in Deutschland?

Beutin: Erst 39. Länderübergreifend beträgt die Nutzerrate 44 Prozent. Tendenz steigend.

Warum nutzen die Menschen Share-Economy-Angebote? Teilen klingt zunächst sozial.

Beutin: Theoretisch sollte die Share Economy Ressourcen sparen, regionale und lokale Gemeinschaften stärken, Kosten sparen, mehr Konsum für niedrigere Einkommensgruppen ermöglichen, neue Arbeitsplätze schaffen und letztlich Freiheit bringen.

Läuft es in der Praxis anders?

Beutin: Sagen wir: etwas anders. In der Realität partizipieren mehrheitlich Menschen mit einem höheren Bildungsabschluss. Die Nutzer sind tendenziell mehr selbstnutzen- als gemeinwohlorientiert. Auch entwickelt sich die Share Economy mehr und mehr zu einer Plattform für professionelle Anbieter – so ähnlich, wie wir es schon bei Online-Auktionsplattformen beobachten konnten.

Machen die „Alten“ genauso mit wie die sogenannten Digital Natives?

Beutin: Die Treiber der Share Economy sind heute ganz klar die unter 40-Jährigen – Frauen und Männer fast gleichermaßen. Für viele von ihnen scheint zuviel Eigentum eher schweres Gepäck zu sein, das sie als Statussymbol weniger reizt als dies bei der vorherigen Generation der Fall ist. Zudem hoffen insbesondere die unter 30-Jährigen, via Share Economy einen Beitrag zu Ressourcenschonung und Umweltschutz zu leisten, ohne auf Konsum verzichten zu müssen. Mit zunehmendem Alter nimmt die Share-Economy-Nutzung derzeit noch merklich ab.

Welche sind die beliebtesten Share-Economy-Sektoren?

Beutin: 28 Prozent der Befragten geben „Medien und Unterhaltung“ an, 20 Prozent „Hotels und Unterkünfte“ und je 19 Prozent „Mobilität“ sowie „Einzelhandel und Konsumgüter“.

Und welcher Bereich hinkt am auffälligsten hinterher?

Beutin: Maschinen – mit einer Nutzerrate von 10 Prozent. Aber auch die wird künftig steigen.

Wie kann die Share Economy noch attraktiver werden?

Beutin: Komfort und Kosteneinsparungen sind wichtige Faktoren, aber der stärkste Wachstumstreiber ist Vertrauen. Dazu zählen auch Rechtssicherheit, wenn es um Schäden und andere Probleme geht, glaubhafte Qualitätsstandards, echtes Experten-Know-how bei den Anbietern und Sicherheitsaspekte.

Und wie steht es hierbei um das Konsumentenvertrauen?

Beutin: Weniger gut als es sein könnte. Bei den genannten Themen hat die Share Economy jede Menge Nachholbedarf, will sie dieselben Vertrauenswerte erreichen wie traditionelle Unternehmen. Wenn das gelingt, wird sie sich langfristig etablieren.

Share Economy in Theorie und Praxis

Contact us

Prof. Dr. Nikolas Beutin
Customer Practice Leader PwC Europe, PwC Germany
Tel.: +49 89 5790-5926
E-Mail