Börsen in New York und London verteidigen Führungsposition, büßen aber an Dominanz ein

Die Ergebnisse einer globalen PwC-Befragung unter 370 Unternehmen.

Börsenaktivität in Deutschland weiter vorne

Die vier beliebtesten Börsenplätze, die Unternehmen für ein Initial Public Offering (IPO) in Betracht ziehen, sind alte Bekannte: Die beiden New Yorker Börsen (New York Stock Exchange und Nasdaq) auf Platz 1 und 3, die London Stock Exchange auf Platz 2 sowie die Hong Kong Stock Exchange auf Rang 4. Mit den indischen Börsen (Bombay Stock Exchange and National Stock Exchange of India) schafft immerhin ein Vertreter der aufstrebenden Wirtschaftsmärkte den Sprung in die Top 5. Die Deutsche Börse liegt auf Rang 8.

Mit Blick auf Börsengänge im Jahr 2030 bleibt die Top 5 unverändert – nur Nasdaq und London Stock Exchange tauschen die Plätze. Die Deutsche Börse  werden 2030 - im Vergleich zur vorherigen Studie für 2025 mit 8% - nun immerhin 9 Prozent der Emittenten Deutschland als Börsenplatz für ihr IPO in Betracht ziehen. Damit liegt Frankfurt auf Rang 12 – hinter Australien, Singapur, Südafrika und Brasilien.

Zu diesen Ergebnissen kommt eine Befragung von 370 Unternehmensvertretern, die PwC für die Studie „Capital Markets in 2030“ befragt hat.

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„Die Börsen in den etablierten Märkten bleiben grundsätzlich stark. Sie profitieren von ihrer verlässlichen Stabilität und Liquidität. Ihre Dominanz ist in den vergangenen Jahren jedoch gesunken. Gleichzeitig haben politische Realitäten und Marktzwänge die vor einigen Jahren noch sehr euphorische Einschätzung der Emerging Markets gedämpft. Heute sieht es eher nach einem Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen den Börsen in den etablierten und aufstrebenden Märkten aus.“

Nadja Picard, IPO-Expertin und Capital Markets Leader für PwC Europe

Woher stammen 2030 die meisten IPO-Kandidaten?

Mit Blick auf die IPO-Pipeline ist China das Land, das nach Ansicht der Befragten im Jahr 2030 die meisten Börsendebütanten hervorbringen wird: 55 Prozent sind der Meinung, dass die meisten Erstemissionen dann aus dem Reich der Mitte kommen werden. Auf Rang 2 liegt Indien (45 Prozent Nennungen), gefolgt von den USA (41 Prozent) und Brasilien (21 Prozent). Großbritannien schafft es trotz Brexit mit 18 Prozent der Nennungen auf Rang 5 – und liegt damit einen Platz vor Deutschland (14 Prozent). 

Aus welchen Ländern stammen die meisten IPO-Kandidaten im Jahr 2030? (Top 6)

Welche Kriterien haben bei der Auswahl des Börsenplatzes Priorität? 

Bei der Auswahl des Börsenplatzes für ein IPO hat Liquidität nach wie vor die höchste Priorität. Das sagt die Hälfte der Befragten (49 Prozent). Aber auch Bewertungen und die Kosten für die Emission spielen für 32 bzw. 29 Prozent der Befragten eine wichtige Rolle. Die größten Sorgen, die sich Unternehmen bei einem Erst-Listing an einer Börse in aufstrebenden Märkten machen, ist die möglicherweise fehlende Liquidität (33 Prozent). Aber auch Währungsschwankungen (29 Prozent) und ein unsicheres regulatorisches Umfeld (25 Prozent) bereiten den Befragten Kopfschmerzen.

Mögliche Börsenplätze für Emittenten außer der Börse im Heimatland bei IPO-Planung heute und im Jahr 2030 (Top 9)

Welche Alternativen zum Börsengang nutzen Unternehmen, um Kapital zu beschaffen?

Grundsätzlich sinkt die Bedeutung eines Börsengangs für die Kapitalbeschaffung nach Ansicht der Befragten. Jeder zweite ist der Meinung, dass der Sprung an die Börse heute eine kleinere Rolle spielt, wenn es um die Finanzierung geht. Das liegt auch daran, dass Unternehmen mehr Optionen zur Verfügung stehen, um Kapital zu beschaffen – sowohl in den etablierten als auch in den aufstrebenden Märkten. Dieser Meinung sind drei von vier Befragten. Die beliebteste private Finanzierungsoption ist Private Equity (55 Prozent).

Was ist die strategische Bedeutung von Börsengängen?

Private Equity und Public Equity stehen sich nicht als konkurrierende Finanzierungswege gegenüber. Sie bilden vielmehr unterschiedliche Optionen für die Kapitalbeschaffung, die Unternehmen je nach individueller Situation für sich nutzen können. Der Börsengang bleibt unbestritten ein strategisch wichtiges Mittel: 70 Prozent der Umfrageteilnehmer sind überzeugt, dass es für erfolgreiche Unternehmen sinnvoll ist, zu einem bestimmten Zeitpunkt ihrer Unternehmensgeschichte an die Börse zu gehen.

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Nadja Picard

Partnerin, PwC Europe Capital Markets Leader, PwC Germany

Tel.: +49 211 981-2978

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